Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 443 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Kampf \1m Gott. 448 käuflichen Dime ins Wanken gerät. Und damit fällt auch die mühsam ausgeklügelte Konstruktion dieses intellektuellen, von keiner menschlichen Einfühlung diktierten Roman- Werkes. Es fehlt diesen Gestalten die menschliche Echtheit und Warmblütigkeit. Das Icherleben dieses Thoraing, sein subjektives Schicksal soll doch jedermann zum Segen werden, dieser Kampf um Gott jedermann zum Wegweiser dienen. Und dazu fehlt uns diemenschliche Teilnahme an diesen blutlosen Gestalten. Ein Prediger des Glaubens, ein Gottsucher 8011 Thorning sein, der sich seinen Gott erkämpft, der sich und andere erlöst — ja, das soll ein Gotteskampfroman doch bezwecken. Aber hier wird nur ein Problem über das andere gewälzt und in spielerischer Weise glossiert. Ein Uebermass hellseherisch kritischer Bewusstheit und Lehrhaftigkeit zerstört nicht nur die künstlerische sondern auch die menschlichbefreiende Wirkung dieses geistvollen Leseromans. Das Ironisch- Zeitkritische erstickt das Dichterische im Verfasser, dem keine Dämonie, kein Gott im Busen die Feder führt. Ueber diese Mängel helfen auch einzelne wirksame Szenen und Partien des Buches, wie die Schilderung der Gymnasialjahre Thornings, die satirisch ungemein scharf gesehenen Gemeindetypen aus Thornings Heimatstadt (wobei sich der auf Kosten des Herzens-Humors arbeitende Verfasser die verschiedensten Ungehörigkeiten, altehrwürdige. Witze, nicht versagen kann), die Schilderung des Verhältnisses Thornings zu seiner Grossmutter und zu dem aus dem Osten eingewanderten Milchhändler Freilich, der ihn in den Talmud einführt. — Dies alles täuscht über die innere Oede dieses vom Hirne mehr als vom Herzen gespeisten Werks nicht hinweg. Als höchst anregendes Kompendium von Zeitideen wird es unter gewissen Intellektuellen manche Leser linden (streckenweise liest sich das Buch wie ein Feuilletonartikel), aber das tiefste, erlösende Symbol unseres Kampfes um Gott und das Finden zu Gott bringt dieses Buch nicht. Ideen machen noch kein Kunstwerk, kein Schönheitswerk. Der hat die Sprache der Bibel nicht erlebt, der ein so erbarmungslos kritizistisches Werk als einen