Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 442 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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442 Ein Kampf um Gott. dein Stammesbewusstsein, die historisch-nationale Ueberlieferung fordert von dir den kritiklosen Glauben an das Dogma von der am Sinai geoffenbarten Religion (s. auch Hirsch, Vorrede zum Choreb). Diese grosse Auseinandersetzung, obwohl unorganisch mit dem Plane des Romans zusammenhängend, bildet durch die echte Leidenschaftlichkeit, mit der sie vorgetragen wird, und die Ungewöhnlichkeit der Situation und nächtlichen Szenerie entschieden die stärkste Partie des Buches. Was nun an Handlung folgt, ist kurz erzählt. Heinrich verschreibt sich dem jüdischen Nationalismus, doch nicht dem religiösen, sondern dem völkisch zionistischen. In dieser (nach der Meinung des Verfassers) irrigen Entwicklung gerät er immer tiefer in die Sünde, er verliert seine sexuelle Reinheit an eine feile Strassendirne und glaubt von jenem Augenblick nicht mehr, die unbestochene Väterreligion vertreten zu können, er wird zionistischer Agitator, erweist sich aber als zu feinnervig, um propagandistisch wirken zu können. Er macht die Bekanntschaft eines christlichen Mädchens, einer hochgebildeten Belgierin in Berlin, die nur für Völkerversöhnung und Kosmo־־ politentum schwärmt; Irene (so heisst sie) und Heinrich verlieben sich, Irene macht ihn auch seinem völkisch-jüdischen Ideal abwendig, er geht völlig in die Irre — bis der Weltkrieg al& Erlöser oder auch als deus ex machina auftritt und dem religiös wie zionistisch unsicheren Kandidaten ein gnädiges Ende bereitet. Es liegt auf der Hand, dass dieser zuletzt erzählte Teil des Buches am wenigsten befriedigt. Wenn Breuer in diesem Thesenroman die zionistisch materielle Idee durch die Allmacht der Liebe aus dem Felde schlagen lässt, so ist das kein Argument gegen den Zionismus, denn gegen die Liebe kommt keine Macht auf. Wäre Thorning in seiner Religion wahrhaft wurzelfest gewesen, so hätte er seine Geliebte zu seinem Glauben bekehren können; und dieser Väterglaube, so rudimentär er noch in ihm lebt, hätte ihn vor dem letzten Schritt einer Mischehe bewahren sollen. Aber der Glaube des ״Helden“ Thorning ist ja so hinfällig, dass er gleich von vornherein heim ersten Angriff einer