Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 432 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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432 Die Misehnah wurden die Ergebnisse der Debatten ebenfalls in Zusätzen redigiert. In der Thossiffcha stehen mehr Diskussionen als in der Mischnah, zuweilen überliefert sie auch die Erörterungen unter den Gelehrten über die Festlegung der Halachah in der Mischnah. Aus der Natur der Diskussion folgt, dass es in der Thossiftha mehr Baraithoth mit halachischem Midrasch gibt. In ihr finden sich endlich auch mehr Aggadah und mehr Ueberbleibsel von den Hilchotn Dereeh Erez als in der Mischnah. Die Thossiftha zerfällt in derselben Reihenfolge wie die Mischnah in dieselben Traktate, aber nicht immer in dieselben Abschnitte. Ihre Sprache ist die der Mischnah, doch hat es niemand unternommen, ihren Stil zu glätten und zu ebnen. Auch sie hat viel wertvolles altes Sprachgut bewahrt. Nach den Generationen der Halbtannaiten, in deren Zeit die Blüte der Thossiftha fiel, kam ihre Entwicklung allmählich zum Stillstand; ein Redaktor erstand ihr nie, sie schloss also von selbst ab. An dem Zustande der Thossiftha erkennen wir die Grösse des Werks, das Rabbi in der Mischnah vollbracht hat, und können uns vorstellen, wie die Mischnah ohne Rabbis Arbeit ausgesehen hätte. Zur Zeit der Halbtannaiten wmrde die Thossiftha wohl in den Lehrhäusern als Fortsetzung der Mischnah vorgetragen, und als der jerusalemitische Talmud sich zu entwickeln begann, bezog er sich vielleicht an vielen Stellen auf die Thossiftha, die der Mischnah im Vortrag folgte. Die Thossiftha diente als Material für beide Talmude, und da die Schüler sich ziemlich stark mit ihr beschäftigten, ist sie uns erhalten geblieben. g) Die halachischen Midraschim. Ausser den im Mischnah- System geordneten Baraithoth gab es auch Baraitha-Sammlungen, die in der Reihenfolge der Schrift geordnet waren. Es sind dies die halachischen Midraschim. Die Grundlage des halachischen Midrasch ist der Midrasch der Ssof rim, die die ganze mündliche Thora an Hand der schriftlichen gelehrt hatten. Auch nach dem Zeitalter der Ssofrim war der halachische Midrasch nicht aus dem Lehrhaus verstossen worden. Vielmehr erhielt sich bei den späteren Ssofrim, den Kinderlehrern, stets ein Rest dieser Lehrmethode, denn den Schulkindern erklärte man die Thora