Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- Seite 415 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2293001--04428-2297710- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Bücherbesprechungen. 415 im Verlauf der Rede und Widerrede schuldig, er ist schon früher nicht frei von Schuld. Er ist nicht der völlig |von allem Entblösste — arm wie Hiob — sondern hat noch einen grossen Teil seines Reichtums behalten. Die Reden der Freunde sind nicht spontane Aeusserungen, hervorgerufen durch die Ausfälle Hiobs, sondern sind verabredet und geben Systeme wieder (des Vf s Darlegungen erinnern hier an Maimonides’ Auffassung des Buches in More Nebuchim). Und für einen altmodischen Erklärer von besonderer Kühnheit: Die Reden Gottes Cap. 38—39 sind eine Selbstbetrachtung Hiobs! Eine Fülle von Beziehungen deckt Vf. auf zur Vergangenheit Jobs, auch in den Reden der Freunde zeigen sich uns zahlreiche Anspielungen auf die Geschichte der Menschheit, wie sie in der Bibel gegeben ist. Endlich rückt er das Stück von Elihu, das als eines der schwierigsten immer empfunden worden ist und das man auf Grund weniger Verse als einen eigenartigen Versuch die Lösung des Problems der Theodicee zu geben, hat ansprechen wollen, in ein neues Licht. "Wir erwarten mit Spannung den zweiten Teil, da uns die Beweise für diese Darstellung vorläufig noch nicht genügend überzeugen. Sehr glücklich ist die Verlebendigung der Handlung durch den Vf. Reeensent hat in einem Versuch, den Inhalt des Buches Job zu skizzieren, gegenüber den üblichen Erklärungsarten den Nachdruck darauf gelegt, dass es sich hier nicht um ein ״Lehrgedicht*, sondern um ein ״Drama“ handelt, dass wir hier nicht einen Deklamator und Rhetor, einen in logischen Auseinandersetzungen diskutierenden Religionsphilosophen vor uns haben, sondern einen von den fürchterlichsten körperlichen und seelischen Leiden Heimgesuchten (Wohlgemuth, die Unsterblichkeitslehre in der Bibel 1899 S. 18—24). Der Vf. lässt sich oft von ähnlichen Erwägungen leiten, vor allem für die Erklärung im Einzelnen. Er verwandelt sehr oft assertorische Sitze in Fragesätze, ein bei der Exegese anderer biblischer Bücher etwas bequemes und zweifelhaftes Mittel, Schwierigkeiten zu lösen, aber im Buche Hiob bei der Lebhaftigkeit der Diskussion berechtigt und erfolgreich. In Verfolg eben dieses Prinzips gelangt er nun auch zu eigenartigen neuen Erklärungen, indem die Redenden nach seiner Deutung sich an die Zuhörer wenden, ihrer Entrüstung Ausdruck geben oder Zustimmung fordern. Der Dialog enthält so eine ganz andere, lebendigere, ausdrucksvollere und einleuchtendere Gestaltung. Als Proben neuer Erklärungen seien nur aus der ersten Hälfte des Buches einige mitgeteilt: 5,3 ואקב בוהו פתאום so bezeichnete ich sein Heim: Selbsttäuschung; 5,26 תבא בכלה עלי קבר als astreicher Stamm kommst du dann zu Grabe (wozu übrigens עלימו אבד כלח an ihnen ging der ״Familienstamm zu Grunde“ trefflich passt vgl. 30,1) 6,10 ואסלדה בחילה לא יחמול dass ich die Menschen zurückschandern machte in Grauen ob des