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Jeschurun · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. Seite 413

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 413 (sequence 85)
Language
German
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raSBSSBBl Bemerkungen zu Wohlgemuths ״Die göttliche Gerechtigkeit413 .״ ist, das vielleicht auch noch Dimensionen hat, die mehr als Raum und Zeit sind. Der Kern dieser Ausführungen ist, die normale Naturgesetzlichkeit, insonderheit die הליכות עולם, bei Kiörterung des ״Gerechtigkeitsthemas״ zu berücksichtigen. Wenn man nur im Auge behält, dass jedes spezielle Gesehehen die Resultante vieler Komponenten ist, oder mathematisch gesagt, eine Anzahl Koordinaten hat, von denen wir möglicherweise einige gar nicht kennen, vielleicht nicht kennen können, so ist das einzelne im Menschen- Schicksal für das ruhige Denken nicht so zermalmend. Es bleibt nur die Frage übrig, warum Gott diese bestimmte Gesetzmässigkeit mit der Möglichkeit von unverdientem Leid und unverdientem Glück, also mit paradoxem Ausschlag gewählt hat. Yor allem aber wird diese Betrachtungsweise beiden, dem leidenden Frommen und frohlockenden Sünder gerecht: beide empfangen Schickungen, die von ihrem Handeln, jedenfalls teilweise, nicht ursächlich abhängen. Das Läuterungsleiden des Frommen erklärt ja, wie Wohlgemuth betont, nur die eine Hälfte צרי ק ורע לו. 3. Immer war das Glück der Frevler ein schwereres Problem als des Frommen Not. Deshalb sind die Aussprüche unserer ח; ל, die sich um die Lösung jener Crux bemühen, von besonderer Bedeutung, vor allem wenn sie entscheidende Gesichtspunkte enthalten. Da möchte ich auf R. Saadia Gaon hinweisen, der in seinem מאמר חמישי פ״ג) אמונות ודעות) folgendes ausführt: a) es gibt Frevler, die von der Strafe verschont bleiben, weil Gott weiss, dass sie einst בעלי תשובה sein werden b) andere, weil sie gute Kinder haben werden (wohl wegen des: הבן מזכה את האב); c) oft gilt es, grössere Sünder zu strafen, deshalb bleibt mancher Frevler verschont; d) zuweilen hält das Gebet eines Frommen den Lauf der Gerechtigkeit gegen einen Sünder auf; und endlich e) ist mancher Strafaufschub nur ein Auftakt zu umso strengerem Gericht Diese Gesichtspunkte verharren alle innerhalb der Vergeltungstheorie, machen also von den etwas kühnen Gedanken, die wir vorhin brachten, keinen Gebrauch. Punkt a) ist von Dr. Wohlgemuth genannt; er gehört wohl zu jenem Gedanken gang, der von der falschen Beurteilung der Menschen durch uns spricht. Mancher Sünder ist eben gar nicht so schlecht; wenn er die Anlagen zum בעל תשובה in sich trägt, gehört er nicht zu den absolut Strafwürdigen. Zum Schluss möchte ich noch auf die gediegene Behandlung des Themas bei Hiilel Zeitlin (כתבים נבחרים, ברך ראשון: הטוב והרע, ודשה חדע״א) hinweisen, durch den ich auf R. Saadias Lösung des Problems hingelenkt worden bin. Endlich hebe ich hervor, dass die Unlösbarkeit bezw. die mangelnde Befriedigung der Lösungsversuche besonders darin zum Ausdruck kommen, dass nie ein Gedanke restlos auflöst, was problematisch ist, sondern eine Fülle von Ideen immer ins Treffen geführt wird, damit gleichsam die zweite löst, was die erste übrig gelassen hat. Die Ideen umstellen hier das Problem wie Fallen. Aber wäre die göttiiche Gerechtigkeit ein einfaches Rechenexempel, so wäre eben das Denken ein banales Geschäft. Die höchste Kompliziertheit der Welt und die absolute Erhabenheit Gottes ziehen mit Notwendigkeit diese Problematik nach sich, insbesondere für ein so begrenztes Wesen wie den Menschen. Und wenn gewiss durch die scheinbare Ungerechtigkeit gar mancher seine gottesgläubigen Ueberzeugungen einbüsst — ohne diese Unfassbarkeit der Welt und der göttlichen Waltung wäre nie Gottsuchen und Gottesverehrung im Menschenherzen gewesen.

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