Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- Seite 397 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber den Begriff der Ehe im Judentum usw. 397 kann doch auch richtig sein, ,wird doch diese Möglichkeit von der תורה selbst in V. 20 vorausgesetzt? Die Anschuldigung könnte demnach auch guten Glaubens erfolgt sein, dürfte demnach an sich nicht strafbar erscheinen. Diese Frage in das richtige Licht zu rücken, erscheint um so dringender, als ja bekanntlich im Neuen Testamente die Scheidungsbefugnis, welche die ,תורד dem jüdischen Ehemanno einräumt, eine scharfe Anfechtung erfährt, die dort schliesslich dahin führt, an deren Stelle eine angeblich höhere Auffassung von der Ehe zu setzen. Veranlassung genug, um in eine sachliche Prüfung der Frage einzutreten. Wie eine genaue Prüfung des Sprachgebrauches zeigt, ,wird durch יכול und den mit ל verbundenen Infinitiv die moralische Befugnis zum Ausdruck gebracht, יכול in Verbindung mit dem reinen Infinitiv dagegen bezeichnet das rein äusserliche physische Vermögen, und in Verbindung mit einer Verneinungspartikel das Versagen bezw. die Unzulänglichkeit der Kraft. So sagen die Brüder von בראשית מ״דפסוק כ״ב)לא יוכל הנער לעזב את אביו :בנימין) aber nicht לא יוכל עזב, womit sie zum Ausdruck bringen, die physische Kraft, eine Reise zu unternehmen, gebricht ihm ebensowenig wie ihnen, aber höhere, ethische Rücksichten hindern ihn daran. Die Stelle ist daher zu übersetzen: der Knabe hält sich nicht für befugt u. s. w. Die gleiche Ausdrucksweise liegt daselbst פסוק כ״ו zweimal vor und besagt dort, dass die Söhne Jakobs keineswegs der physischen Kraft ermangelten, eine zweite Reise zu unternehmen, wohl aber ging ihnen der moralische Mut hierzu ab. Jetzt erst gewinnt die Stelle (בראשית מ״ה ספוק א״) *ihren rechten Sinn. ולא יכל יוכף להתאפק kann nicht besagen, dass Josef von seinen Gefühlen überwältigt worden sei, dann hiesse es ולא יכל יוסף התאפק. Eine solche Aussage stünde aber ausserdem mit den sorgfältigen Vorbereitungen, die er für die Erkennungsszene vorher trifft, in direktem Widerspruche. Ihr Sinn soll vielmehr darauf hinauslaufen: Josef hielt sich nicht mehr für befugt, die von ihm angenommene Rolle weiter zu spielen. Es muss dementsprechend auch übersetzt werden. Damit ist auch die Handhabe gewonnen, die Stelle (דברים ל״א פסוק א, ב׳) ins richtige Licht zu rücken. Aeusserlich genommen enthält sie einen