Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- Seite 367 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Charakterbilder unserer Gesetzeslehrer 867 das allen Verführungskünsten trotzende Israel übt: es machte sich eben schon damals die bereits zur Zeit Samuel Hannagids auftretende, Y0n religiösen Beweggründen geleitete feindselige Stimmung der islamischen Bevölkerung gegen die Juden geltend, die zur selben Zeit Gabirol von dem בן האמה מורד, dem aufrührerischen Sohn der Magd, und später Juda Hallevi, wie Abraham ibn Esra mit Bitternis vom herrschsüchtigen Sohn der Hagar sprechen liess. Recht stimmungsvoll ist eine kurze Dichtung für מנחה של יו״ב, worin Ibn Ghiath, in Anknüpfung an Bibelverse, die von der Sehnsucht zum Abend handeln, das Hoffen des Beters und der israelitischen Gemeinschaft zum Ausdruck bringt, und diese mit der Taube vergleicht, die, von Noah einst ausgesandt, zur Abendzeit zu ihm zurückkehrt. Sehr sinnig und voll packender Darstellung ist eine תדבחה, worin die Seele als Schuldnerin angesprochen und zur Erfüllung aller aus diesem Verhältnis zu Gott ihr erstehenden Pflichten gemahnt, zugleich aber auch der himmlische Richter um gütige Nachsicht gebeten wird. Als ein bezeichnendes Beispiel von Ibn Ghiath’s Stil und Gedankengang sei hier ein Vers angeführt, worin das Verdienst des Erzvaters Jacob, des איש תם, angerufen wird, als Milderungsgrund für die Sündenbeladenen, um ihre Schuld geringer erscheinen zu lassen. תום חם לאין תום תמשה, לנושה בו כי תשה, לא תהיה לו כנושה. Mit seiner תוכחה eröffnet Ibn Ghiath eine Dichtungsart, die nachmals auch von Bachja ibn Pakuda und Jehuda Halievi gepflegt wurde. Noch sei hervorgehoben die Aboda unseres Dichters, die, ebenso wie bei allen Dichtern, mit der Weltschöpfung beginnt, alle Generationen mit ihren Versündigungen behandelt, bis sie zu dem ausserwählten Priestergeschlecht kommt, worauf dann der feierliehe Gottesdienst des יו״כ ausführlich geschildert wird. Die Aboda ist recht breit gehalten und in der den ältesten S'lichoth eigentümlichen Ringversform abgefasst, so dass jede Zeile mit dem letzten Wort der vorhergehenden beginnt. Auch hier zeigt sich eine weit über das Durchschnittsmass herausgehende Gestaltungsgabe, die auch das spröde halachische Material dichterisch zu meistern versteht. Leider sind die liturgischen Schöp-