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Jeschurun · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. Seite 366

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 366 (sequence 38)
Language
German
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066 Charakterbilder unserer Gesetzeslehrer auch Y0n den Juden gepflegten allgemeinen Wissenschaften, he־* sonders auf dem Gebiete der Naturkunde und der Astronomie, die ja besonders bei den jüdischen Gelehrten in hohem Ansehen stand. Vorzüglich hat er die ernsten Tage mit seinen dichterischen Sehöpfungen reich bedacht. Alle seine Kenntnisse verwendet Ihn Ghiath, um des Schöpfers Allmacht eindringlich ans Herz zu legen. Es ist dies um so bemerkenswerter, als ungefähr zu gleicher Zeit im Lager des Islam Forscher, ״von des Gedankens Blässe angekränkelt״, den Lehren ihrer Religion mit einer gewissen Skepsis gegenüberstanden. Anders im Judentum, wo die Lehre der Wahrheit der Vernunft keine Fesseln anlegt, vielmehr dem geraden Denken innerhalb der durch die Gottesverehrung gezogenen Grenzen noch genügend Entfaltungsmöglichkeiten gibt. Darum darf es uns nicht Wunder nehmen, wenn Ibn Ghiath, obwohl er gern den Problemen der angewandten Wissenschaften und philosophischen Fragen sich widmet, von keinerlei Gelehrtendünkel befallen, in seinen liturgischen Gedichten sich, mit geringen Ausnahmen, den Buss- und Verzeihungsgebeten, סליחות, zuwendet, auch hierbei den von den Geonim geübten Brauch hochhaltend, die zumeist diese Gattung der gottesdienstlichen Poesie pflegten. Von Interesse ist es dabei, dass z. Z. unseres Dichters den ganzen Ellulmonat hindurch, mit Ausnahme der Neumondstage und der Sabbate, beim Frühgottesdienst Selichoth gebetet wurden, die, nach dem Vorbild der Stellvertretung des Volkes beim Tempelopferdienst durch dazu Gewählte מעמדות genannt wurden, da ab־־ wechselnd Gemeindemitglieder mit dem Vortragen der Gebete betraut wurden. Es zeugt nun von einer nicht ganz gewöhnliehen Gestaltungskraft des Dichters, dass er, ohne in Wiederholungen zu verfallen, denselben Gedanken immer wieder zu behandeln und dabei doch auch wieder ihm neue Seiten abzugewinnen imstande ist. Für die Anschauung, in den Gebeten um Vergebung der Sünden die Verfehlungen als Ursachen der Leiden des Volkes zu betrachten und diese zu beklagen, findet Ibn Ghiath den passenden Ausdruck, wobei er voll Wehmut von den Gehässigkeiten spricht, die der hochfahrende Bekenner des Islam mit seinen kränkenden und höhnenden Worten gegen

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