Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- Seite 365 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Charakterbilder unserer Gesetzeslehrer 866 mit dem Commentar יצחק ירק (Fürth 1861) herausgegeben wurde, während die Satzungen über das Pessachfest von Baer Zomber (Berlin) veröffentlicht wurden. Bas Werk gibt sich (nach seinem Inhalt) und der Bearbeitung des Stoffes, ganz als im Geist der geonäiscben Ueberlieferung gearbeitet. Ibn Ghiatbs Halachoth sind gewissermaßen noch von diesem durchweht, und wir haben in ihnen die erste uns noch erhaltene halachische Schrift eines spanischen Gelehrten aus der sogen, rabbinischen Periode. Es leuchtet ein, dass für den Verfasser die Entscheidungen der babylonischen Autoritäten hauptsächlich massgebend sind, ebenso wie die Ansichten seines Gönners Samuel Hannagid, der wohl auch sein Lehrer war, obwohl er mitunter dessen Ansichten widerspricht, so dass wir Ibn Ghiath eine gewisse Selbständigkeit zuerkennen müssen. In literarischer Hinsicht ist das Werk dadurch für uns so wertvoll, dass es uns sehr viele Mitteilungen aus geonäisehen Entscheidungen vermittelt, die uns sonst unbekannt geblieben wären. So ist uns noch in diesem Werk ein Quell lebendiger Ueberlieferung aus jener Glanzepoche unseres Volkes erschlossen, dessen Spuren wir noch in den Schriften späterer Autoren verfolgen können. Neben dem eigenen halachischen Wert der Halachoth lässt auch diese ihre Bedeutung den Verlust der anderen Teile als höchst beklagenswrert erscheinen. Jedenfalls gilt Isak ibn Ghiath als einer der hervorragendsten Halachisten der Frühzeit des Talmudstudiums. Ausser den Halachoth hat unser Autor noch andere Entscheidüngen verfasst. Als hervorragende Autorität wurde Ibn Ghiath auch vielfach über verschiedene Gegenstände des religiösen Lebens angefragt. Leider sind uns nur sehr wenige Responsen von ihm erhalten, die wohl, wie es scheint, in arab. Sprache geschrieben waren. Lernen wir nun Ibn Ghiath als eine Säule der Kenntnis der תורה schätzen, so ist aber auch sein Verdienst um die עבודה hoch anzuschlagen, indem er seine poetische Begabung in den Dienst des Gottesdienstes stellte. Wir haben in ihm einen unserer geschätztesten synagogalen Dichter zu verehren. Es vereinigt sich in ihm tiefe religiöse Empfindung mit hohem Schw’ung und zugleich einer umfassenden Kenntnis der damals