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Jeschurun · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. Seite 364

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 364 (sequence 36)
Language
German
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864 Charakterbilder unserer Gesetzeslehrer Laufbahn in poetisches Gewand zu kleiden weiss, so lernen wir ihn in seinen weltlichen Dichtungen als einen Poet von Gottes Gnaden kennen, der nur wenig seinem Schützling Salomo ihn Gabirol nachsteht1). Bei ihm nehmen wir aber besonders den starken Einfluss wahr, den auch inhaltlich die arabische Dichtkunst auf die der Juden ausübte, indem sie von jener vielfach Bilder und Typen entlehnt hat. So stellt sich uns das literarische Leben der Juden Spaniens in der Mitte des 11. Jahrh. als ein in seiner Mannigfaltigkeit recht merkwürdiges dar, indem sich in ein und derselben Person die verschiedenen geistigen Betätigungen zu einem harmonischen Ganzen vereinigen: derselbe Mann, der die ernsten und tiefen Probleme des Talmuds meisterte und aus ihnen die Gesetze ableitete, der daneben die uns nüchtern berührenden Fragen der Grammatik behandelte, konnte auch seinen Zeitgenossen die Schönheiten der Poesie erschlossen und sie in ihre lieblichen Fluren einführen. Unter diesen so vielseitig wirkenden Männern jener Zeit nimmt einen besonders ehrenvollen Platz ein: Isak b. Jehuda ibn Ghiath. Er entstammte einer angesehenen Familie in der altberühmten Judengemeinde von Lucena und stand bei Samuel Hannagid und seinem Sohn und Nachfolger Josef ob seines wissenschaftlichen Eifers und seines Wesens in hoher Gunst. Auf drei Gebieten betätigte sich Isak: als Talmudist, Poet und Exeget. Sein bekanntestes Werk ist ein halachisches Compendi um, dessen grösster Teil, der die Vorschriften Liber Kiddusch, Habdala und die Feste des Tischrirnonats enthäLt, von Isak Baer und Simclia Bamberger u. d. T. מאד. שערים und dem Nebentitel שערי שמחה!) Durch das Missverständnis eines von Gabirol herrührenden Verses, den Moses ibn Esra einmal anführte, kamen die neueren Geschichtsschreiber und Literaturhistoriker dazu, über Samuels Gedichte allgemein das Urteil zu fällen, dass sie ״kühl wie der Gebirgsschnee seien״, während, im Gegenteil, Gabirol den Nagid auch als wahren Dichter nach Form und Inhalt sehr hoch schätzt. Der wirkliche Sach« verhalt wird dargestellt von Brody in der Monatsschrift Jhrg. 1910, S. 821 fgg.

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