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Jeschurun · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. Seite 362

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 362 (sequence 34)
Language
German
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Charakterbilder unserer Gesetzeslehrer 862 Milte des zehnten Jahrhunderts in Cordova dem grossen Halachisten Mose b. Chanoch begegnen, den zwar jene legendenhaft ausgestattete Erzählung als landfremden dorthin verkauften Sklaven betrachten will, der aber viel eher als ein einheimischer Gelehrter anzusehen sein dürfte1). Mose, sein Sohn Chanoch und der ihnen ebenbürtige Mitbewerber um das Cordobaner ßabbinat, Joseph ibn Abitur, auch ibn Satnas genannt, bedeuten den Höhepunkt der talmudischen Wissenschaft zu jener Zeit; mehrfache Eesponsen und Erklärungen, bei Späteren zitiert, geben Zeugnis von ihrer Bedeutung. — Aber nicht nur der Talmud war Gegenstand eifrigen Studiums in Südspanien, auch die hebräische Sprachwissenschaft, und somit auch die Bibelerklärung, nehmen einen hohen Aufschwung, dank der Gönner- Schaft des Chasdai ibn Schaprut, der, wie er die Beschäftigung mit dem Talmud durch Beschaffung von Exemplaren aus Babylonien förderte, so auch der hebräischen Sprache sein Interesse zuwandte, indem er den mit einander wetteifernden Sprachforschem Menachem b. S’ruk und Dunasch ben Labrat, wie auch ihren Schülern, weitgehende Unterstützung gewährte. Auf der von diesen Gelehrten geschaffenen Grundlage konnte die Erklärung der heiligen Schrift sich weiter entwickeln, konnte sie besonders durch das bereits von Dunascb in seinen Anfängen erkannte System der Dreibuchstabigkeit der Wurzeln, das der in Cordoba wirkende Juda b. David Chajudsch weiter ausbaute, zu gesicherteren Resultaten kommen. Eine weitere Frucht des Wettstreites zwischen Menachem, Dunasch und ihren Parteigängern war die Belebung der hebräischen Poesie und der gebundenen Prosa, in denen die Gegner ihre literarische Fehde austrugen. So sehen wir, wie bereits das zu Ende gehende 10. Jahrhundert eine hohe Blüte des geistigen Lebens der spanischen Juden gezeitigt hat. : *) Die sehr geringe Wahrscheinlichkeit der Erzählung von dem Auftreten Moses’ im Lehrhause zu Cordoba und seinem Eingreifen in die dort gepflogenen Verhandlungen habe ich in meinen Studien z. Gesch. u. Lit. im geonäischen Zeitalter, S. 196 fgg. (= Monatschr. 1912, S. 80 fgg.) näher ausgeführt.

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