Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- Seite 361 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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CbarakterVIder unserer Gesetzeslebrer 361 arabischen Herrschaft dort nichts von einer literarischen Tätigkeit der dortigen jüdischen Bevölkerung erfahren, der ja zudem durch die feindselige Haltung der katholisch gewordenen Westgotben jede Lebensregung fast unterbunden und die religiöse Betätigung beinahe unmöglich gemacht worden war, so liess der Zusammenhang, in dem von jetzt an die spanischen Juden mit ihren Glaubensgenossen im Zweistromland standen, allmählich ein reges Schaffen auf den verschiedenen Wissensgebieten sich entwickeln. Wenn dabei auch der Einfluss der arabisch-islamitischen Kultur gleichfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle ausübte, so hat das Judentum, das sich niemals, wie beispielsweise der Islam selbst in späteren Zeiten, gegen die von aussen her kommenden Bildungselemente feindselig abgeschlossen hat, diesen das ihnen zukommende Recht gern eingeräumt, dabei aber dennoch es verstanden, sie mit seinen eigenen Ideen zu durchdringen und so eine glückliche Synthese verschiedener Geistesrichtungen zu vollziehen. So ward der Entfaltung der jüdischen Studien in Spanien ein günstiger Boden bereitet. Durch die Belehrung von den Methibtas Babyloniens und den Schulen des mit ihnen eng verbundenen Kairuan empfing die talmudische Wissenschaft einen mächtigen Antrieb, wobei dem zur Auswanderung gezwungenen Exilarchen Natronai b. Chabibai am Ende des 8. Jahrhunderts eine besondere Bedeutung zugesprochen wird, da er die Gemarakenntnis dort verbreitete. Schon in der Mitte des 9. Jahrhunderts gewahren wir in Spanien den auch von den Geonim hoch geschätzten E leas a r b. Samuel, der, mit den Ehrennamen eines Alluf geschmückt, an den grossen Jeschiboth des Eupbratlandes wirken und den dortigen Lehrern erwünschte Auskunft über Realien geben durfte. Bereits in der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts kann der berühmte suranische Gaon Amram b. Scheschna, als er den spaniscneu Ge;oeinden eine Gebetsordnung — סידור — zusandte, von dem in Norden des Landes gelegenen Barcelona als einer Stätte angesehener Gelehrter sprechen. Dort und besonders im Süden hatte jedenfalls das Talmudstudium eifrige Pflege gefunden und so kann es uns nicht Wunder nehmen, dass wir in der