Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- Seite 358 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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558 Die Mischnah Aussonderung und Entfernung vieler Mischnajoth aus der Mischnah, die zu Baraithoth wurden. Rabbis Zeit bedeutete einen Aufschwung für die tannaitische Literatur, fiel doch in sie das grosse Ereignis der Mischnah-Redaktion, und unter deren Eindruck hörte die Beschäftigung mit der Erörterung der Mischnajoth, ihrer Klärung, ihrer Erläuterung und halachischen Diskussion nicht auf; die Ergebnisse dieser Beschäftigung bilden den Inhalt der Baraithoth. Die Kommentierung des ausgesonderten reichen Materials erforderte wiederum geistige Arbeit und bewirkte die Blüte der Baraithoth zur Zeit der Halbtannaiten. Die Baraithoth aus der Zeit der letzten Tannaiten und der Halbtannaiten unterscheiden sich inhaltlich von den älteren Mischnajoth und Zusätzen dadurch, dass sie keine Kontroversen von Tannaiten enthalten, sondern zumeist Erklärungen zur Mischnah und Auszüge aus den Debatten im abschliessenden Senat. Sie bezwecken Ergänzung der Kürze der Mischnah, Erklärung ihrer Rätselhaftigkeit. Diese Baraithoth sind fast ausnahmslos erläuternde Baraithoth, die der Ausspruch charakterisiert; ״Hätte Rabbi es nicht vorgetragen, woher wüsste es denn Rabbi Chija?“89) Diese Baraithoth sind eben nur Erläuterungen und keine Neuerungen. Es gab daher Gelehrte, die den Baraithoth jeden Wert absprechen und beweisen wollten, dass der Inhalt aller Baraithoth wenigstens nebenbei oder andeutungsweise aus dem Zusammenhang der Mischnah hervorgeht. Zahlreiche Baraithasammlungenj wurden redigiert, erwähnt werden Sammlungen Barkaparas, K’thuboth des Rabbi Chija, wahrscheinlich aus einer Sammlung zu allen sechs Ordnungen herrührend; Mischnahsammlungen der Schule des Chiskija, des Sohns des Rabbi Chija; ein N’sikin-Traktat des Karna, eines babylonischen Richters; ein Kiduschin-Traktat des Levi. Jeder Tanna konnte im Lehrhaus Sammlungen in beliebiger Anordnung redigieren, z. B. Traditionen eines bestimmten Gelehrten oder durch irgend einen Vergleichspunkt zusammengehörige Mischnajoth. So werden erwähnt ״Ribbith des Rabbi Chija und Karna״ 89) Erubin 92 a.