Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- Seite 350 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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850 Die Mischnah Schluss einer Vorschrift des gleichen Ausdrucks, und manchmal kehrt eine Wendung mehrmals wieder. Finden sich solche *Responsionen“ in mehreren Vorschriften oder sogar in mehreren Abschnitten hintereinander, so verleihen sie der Mischnah eine bestimmte Festigkeit; Ordnung und Gleichmässigkeit durchzieht dann das Ganze (vergl. die Abschnittsanfänge im Traktat Sabbath). Durch all das gewinnt der Vortrag an Schönheit. Wenn wir die grosse Entwicklung von der Sprache der Bibel bis zu der Mischnah verfolgen, so müssen wir den Stil der Gebote im*Pentateuch und den Stil des zum Sohne redenden Vaters mit dem Stil der Rechtssätze in der Mischnah vergleichen. Selbst mit der Urmischnah verglichen — wrelch Unterschied zwischen den zwei Epochen! Das Sprachäussere hat sich schon wesentlich verändert, aber noch grösser ist der Unterschied in Syntax und Stil. Trotzdem ist es eine Sprache, die lediglich der Ent- Wickelung unterworfen war, eine andere Altersstufe derselben Sprache, die Epochen sind nicht einmal so weit von einander entfernt, dass wir in ihnen Mutter- und Tochtersprache sehen dürfen. Der Dialekt der Mischnah ist die Sprache der ganzen tannaitischen Literatur. Dieses Hebräisch war zweifellos die ganze Zeit hindurch im Lehrhaus, unter den Weisen und auch in gewissen Volkskreisen eine lebende Sprache. Auch die ganze nachmischnaitische aggadische und midraschische Literatur hat denselben Stil bewahrt. Ebenso beherrschte er die poetischen Schöpfungen der talmudischen Periode, von denen uns leider nur armselige Reste erhalten sind. Aus ihm hat sich auch die Sprache der palästinensischen und französischen Pajtanim entwickelt. Im Kulturzentrum in Erez Israel erhielt er sich noch bis zum Ende der gaonäischen Periode. Wenn wir die Länge der Entwickelung bedenken, so müssen wir uns über die Ordnung in der Mischnah wundern; und zwar handelt es sich hier nicht um die Anordnung der Einzelheiten, sondern darum, dass ein Geist der Ordnung alles durchzieht.