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Jeschurun · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. Seite 348

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 348 (sequence 20)
Language
German
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348 Die Mischnah Die Entwicklung der Mischnahsprache ist stark von der aramäischen Schwestersprache beeinflusst, sowohl im Wortschatz wie in der Syntax, denn während der ganzen Zeit herrschte das Aramäische im Volke mit. In der letzten Periode war das Aramäische die alleinige Sprache des Volkes und das Hebräische nur die des Lehrhauses, gegenseitige Beeinflussung gab es aber stets. Einzelne aramäische Wurzeln wurden rezipiert und von ihnen nach hebräischen Nominalformen Worte gebildet. Ueberhaupt ging man bei der Verpflanzung von aramäischen Nomina und Verben ins Hebräische auf natürlichem, sprachrichtigem Wege vor. Bei Nomina liess man das א des aramäischen Artikels am Ende fort, und bei Verben benutzte man die hebräischen Verbalstämme, nur der Stamm des Nithpael kam neu und ausgiebig in Gebrauch. Einzelne Verben wurden in aramäischer Verbalform aufgenommen (שפעל, הלקט), aber nach hebräischen Verbalstämmen flektiert (in diesen Fällen nach dem Piel). Auch die Bedeutung hebräischer Worte wurde vom Aramäischen zuweilen beeinflusst. (אור,;פה, זיר, ריאד). Reines Aramäisch findet sich in der Mischna nur in Formen für Urkunden und in Zeugnisform gefassten Gerichts Verfügungen. Auch Fremdwörter aus dem Griechischen und Lateinischen sind in beträchtlicher Zahl in die Sprache eingedrungen. Diese Worte sind mehr eine kulturhistorische als eine sprachliche Erscheinung; sie sind mitsamt den Gegenständen und Begriffen, die sie bezeichneten, aus einer fremden Welt in bestimmter Gestalt und Farbe hergekommen und sind wieder verschwunden, als ihre Uhr abgelaufen war. Die Geschichte manches Fremdworts bietet uns interessante Ausschnitte aus Kultur und Leben jener Zeit. Der Stil der Mischnah ist der schwere, präzise und prägnante Paragraphenstil. Das intertemporale ״Participium ־י des Gesetzes״ herrscht vor. Doch finden wir in der Mischnah auch das hebräische Präsens, nämlich als Präsens verwendetes Perfekt und Imperfekt, entsprechend dem Temporalgebrauch aller semitischen Sprachen (באתם לשלום, Bikkurim III 4 und mehrere Sätze in Bb. Kama I 2). Zuweilen kann man am altertümlichen Stil Bruchstücke einer älteren Mischnahsammlung erkennen, doch

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