Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- Seite 345 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Zeitkultur und die traditionelle Anschauung 345 lässt, zu erhalten1). Die Kontroverse zwischen Frankel und Strau8s sollte zu denken geben. Jedenfalls ist hier ein unbedingter Kulturkampf geboten, solange nicht die allgemeine Moral in den Grundzügen der jüdischen zustimmt. IV. Der Sinn aller Auseinandersetzung zwischen Judentum und Zeitkultur ist neben anderen Zwecken auch die Stärkung unseres Gebäudes, seine Sicherung. Das kann durch Prüfung der gegnerischen Argumente und durch Akzeptierung des Annehmbaren geschehen. Mehr aber leistet als Schutz unserer eigenen Kultur im Kampfe und Zusammenleben mit den Kulturen der Völker und Zeiten der Ausbau unserer eigenen. Deshalb kann ich diese Abhandlung über die Zeitkultur nicht schliessen, ohne des Wiederaufbaus der jüdischen zu gedenken. Wir in West- und Mitteleuropa Heimischen müssen zu ganz anderen Anschauungen gelangen. Wenn ich ein anschauliches Bild gebrauchen soll, so würde ich sagen, wir gleichen Zellen, deren eigentliche Struktur deutsch und deren Seitenketten nur jüdisch sind. Wir müssen dahin gelangen, dass in diesem Ebrlichschen Bild das Jüdisch-Hebräische im Zentrum steht und lediglich die Seitenketten uns mit der Umwelt in Konnex bringen. Dazu ist ein völliger Umbau unseres Wesens nötig. Er muss vollzogen werden, wenn es uns ernst um die Zukunft unseres Volkes ist. Wie er zu bewerkstelligen ist, ist schon von mancher Seite ausgeführt worden. Haus und Schule müssen da die Führuog übernehmen, nicht etwa sich den guten Be- Strebungen entgegenstemmen, wie es leider jetzt noch vielfach geschieht. Denn jene Kreise, die die Umkehr predigen, sind nicht imstande, sie durchzuführen, wenn Haus und Schule sich ablehnend verhalten. Beide aber müssen freudig ihre neuen grossen Pflichten erkennen und erfassen, denn ihnen wird der 1j Ich will an anderer Stelle ausführen, dass mir die Einigung aller dem jüdischen Volk Treuen auf Basis der jüdischen Sexualethik als geeignete Plattform einer neuen Politik der Sammlung erscheint.