Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- Seite 344 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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344 Die Zeitkaltur und die traditionelle Anschauung der Feder, Lehrer und Aerzte, der Zügellosigkeit zu steuern, da sie sehen, dass nicht nur das Geschlechtsleben selbst entartet, sondern auch jede andere Lust und Zerstreuung in sexueile Gemeinheit mündet. Aber es scheint zu spät! Die Menge fühlt sich mündig und sieht nicht ein, warum jetzt das Leben wieder auf ethische Basis gestellt werden soll, nachdem gar lange Zeit Enthaltsamkeit vor und Treue in der Ehe zu den Naivitäten alter Zeiten gehören sollte. — Es ist allerdings erfreulich, dass jedenfalls manche Theoretiker zu ethischer Betrachtungsweise in medizinischen Fragen zurückkehren. Mit welch einfältigen Argumenten aber gegen diese Umkehr von mancher Seite Front gemacht wird, kann man daran erkennen, dass ein Mediziner (Marcuse in der Deutsch-medizinischen Wochenschrift 1919 im Referatenteil) ethische Voraussetzungen in der biologisch-medizinischen Wissenschaft für ebenso unangebracht hält wie nationale. Wir erwähnten oben, wie abhängig die Judenheit in sexueller Moral von ihrer Umgebung ist. Unsere Gegenwart ist leider eine zu lebendige Illustration dieser Behauptung. Allüberall lockern sich auch in unseren Reihen die Bande der Sitte und Zucht. Es begann mit laxer Auffassung des Einzelnen und endete mit theoretischer Begründung für die Gesamtheit. All die alten in Europa längst abgedroschenen Kraft- Wörter: Freiheit, Sichausleben usw. ertönten von neuem. Nun wäre dieses Kraftmeiertum einiger frivoler Jungjuden gleichgültig, wenn nicht ihre Anhängerschaft so wüchse — und wohl nirgends erwirbt man so schnell Gefolgschaft wie hier, wo zur Zügellosigkeit aufgerufen und in ihr die wahre Ehrlichkeit gar gepriesen wird. Gerade jetzt aber, wo das jüdische Volk einerseits die schwersten Schickungen der Geschichte zu ertragen hat durch das Uebermass der Leiden, anderseits sich rüsten soll zu neuem Volksleben, darf es nicht in die Haltung von Degenerierten verfallen. Da ist es die Pflicht aller Starken und Treuen, die Schädlinge zu bekämpfen und durch das Verharren hei der Moral unserer Lehre und ihre Propagierung dem jüdisehen Volk seine Kraft, die es als ein ewiges uns erscheinen