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Jeschurun · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. Seite 341

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 341 (sequence 13)
Language
German
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Die Zeitkultar und die traditionelle Anschauung 341 Ursachen ergründen und Schuld und Verdienst erkennen1). Was Menschen durch ihre Handlungen und was das Schicksal bewirkt, diese beiden interferierenden Wellen, müssen wir zu sondern versuchen. Dabei ergibt sich ein merkwürdiges Resultat : Wir, die gewohnt sind, als Juden mehr als andere Schuld zu verdämmen und Sünde zu verurteilen, werden durch diese doppelte Kausalität mancherlei zur Entlastung der historischen ״Verbrecher“ beitragen und nicht immer in das Wutgeheul einstimmen, das über Männer, die zerstörten, (עת להרוס) ausgestossen wird. Wir glauben zu wissen, dass historisches Geschehen nur sehr bedingt Folge oder direkter, ausschliesslicher Effekt des Wirkens eines Einzelnen ist. Es ist unmöglich, die aktuellste politische Frage der Gegen״ wart, den Sozialismus, hierauch nur einigermassen zu würdigen; insbesondere wollen wir seine momentanen Ausprägungen nicht kritisch anschauuen. Das eine glaube ich: dem oben angegebenen Kriterium, der Tendenz zur Gerechtigkeit, genügt er. Und es braucht uns nicht leid darum zu sein, dass fast alle Führer dieser Bewegung unseren Reihen entstammten. Für diese Grossen, Marx, Lassalie etc., gilt doch wohl die Ausnahme, dass sie zum Sprechen berufen, wohl verpflichtet waren. Das Licht, das in Tausende von Hütten hineinstrahlte, geht von ihnen aus. Die Kraft der Menschenbeglückung ist wohl nicht zufällig jüdischen Köpfen und Herzen entströmt. Ich wage es, den kühnen Satz zu prägen, der unseren Gegnern gewiss als Arroganz erscheinen wird: das Judentum ist der Quell des edlen Wollens in all diesen revolutionären Gestalten; ihre Irrungen sind eine Folge der Entfremdung von jüdischer Kultur. Bei manchen z. B. bei G. Landauer ist die Hinneigung zu christlicher Gesinnung mit ihren extremen wirklichkeitswidrigen Anschauungen Ursache der Verständnislosigkeit für konkrete Aufgaben und die Katastrophen der Praxis. Es ist das tragische Geschick der deutschen Revolution von 1918, dass nur Parteiführer zur Stelle waren, dass kein b Zu diesem Gedankengang vergl. den Aufsatz des Herausg. d. Zeitschr. ״Mussarbemerkungen z. Zeitgesch.״ Jeschurun VI. S. 225-261.

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