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Jeschurun · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. Seite 340

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 340 (sequence 12)
Language
German
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340 Die Zeitkultur und die traditionelle Anschauung wenn er es begrüsst, dass seine Ideen reifen, und wer, von einer grossen politischen Umwälzung ergriffen, zu einer Revision seiner Ansichten gelangt, ist gewiss höher zu stellen als die, von denen Talleyrand sagt: sie haben nichts gelernt und nichts vergessen. Der Hass und die Abneigung gilt jenen allzu Eilfertigen, denen jede Gesinnung fehlt — und leider sind unter den Helden der Feder über das erlaubte Mass charakterlose Menschen — und denen historische Ereignisse nur dazu da sind, um ihnen Material für ihrea Beschäftigungsdrang zu liefern. Schweigen hat weder dem einzelnen noch dem gesamten jüdischen Volk geschadet, und so ist für den Durchschnitt jüdischer Autoren Zurückhaltung gewiss eine hohe Weisheit. Nur die Auserwählten, Grossen, die der ganzen Mitwelt oder doch der jüdischen Gemeinschaft Neues zu künden haben, sollen, müssen sprechen. Als Voraussetzung für unsere Auseinandersetzung mit politischen Zeitströmungen muss, wie mir scheint, folgende^gelten: das Judentum als solches ist nicht sozialistisch, nicht monarchistisch, nicht kosmopolitisch und nicht chauvinistisch. Es enthält Ansätze zu jeder Auffassung in seinem weitschichtigen Schrifttum, wreil doch all die genannten Gesinnungen aus menschlichen Bestrebungen erwachsen. Das Judentum hat einen universalistischen Charakter; daher kommen vielerlei Elemente, freilich in verschiedener Wertigkeit vor. Aber wir müssen im Auge behalten, dass sich unser politisches Verhalten dadurch von dem anderer Gemeinschäften unterscheidet, dass es einen Kulminationspunkt haben sollte: Gott. So gerüstet, werden wir dann bei unserer Prüfung historischer oder zeitgenössischer Verhältnisse weniger Bedeutung der besonderen Staatsform beimessen als dem Grad von Gerechtigkeit, der in einer Zeit erkennbar ist. Ueberhaupt sollten wir mehr die Zuschauer als Akteure spielen. Unsere Mission ist nicht allüberall einzugreifen in die politischen Schicksale der Länder und Völker; unser Teil ist das Urteil und die Kritik; wir sollen erwägen, ob Tag oder Nacht ist im Völkergeschehen. Wir sollen

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