Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- Seite 339 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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339 Die Zeitkultur uad die traditionelle Anschauung Sieg verliehen. Nochmals betone ich hier wie in meiner Ab־ handlung ״Erschaffung etc.״, dass hinsichtlich der Deszendenztheorie wir uns auf Johaunsen, den kompetenten Botaniker, berufen können, der die Frage der Deszendenztheorie als eine offene bezeichnet. Für dieses Kapitel gilt, was ich im allgemeinen Teil gesagt habe: die positiven Leistungen überwiegen die der Abwehr. Gerade in Dingen der Naturerkenntnis scheint jetzt ein Zeitabschnitt angebrochen zu sein, wo diese Ansicht an Bedeutung gewinnt. So will ich auch hier betonen, dass die Theorien des Lebens, der Urzeugung, die Begriffe Krankheit und Tod, Vererbung etc. mehr Beachtung finden müssten, umsomehr, als sie uns Gelegenheit gehen, aus unserem Schrifttum eigenes Material beizubringen, und uns nicht lediglich diese oder jene Anschauung der Autoren als unjüdisch abzulehnen zwingt sondern eine eigene Theorie gestattet, möglicherweise bereichert und vertieft durch spezielle Forschungsergebnisse der Gegenwart. Diese Andeutungen müssen genügen und durch spätere Sonderuntersuchungen ergänzt werden. 2. Politik. Wenn wir von der Warte jüdischer Gesinnung zu politischen Problemen Stellung nehmen wollen, so müssen wir mit einigen unklaren Vorstellungen, die sich bei uns eingenistet haben, aufräumen und erst in grossen Linien zu zeichnen versuchen, welche Haltung von uns eingenommen werden muss, wieweit' wir gebunden sind, und wann wir Bewegungsfreiheit haben. Da gilt es in erster Linie Front zu machen gegen jenen billigen und erfolgreichen Opportunismus, der dein Augenblick und den zeitgenössischen Machthabern huldigt. Das steht durchaus nicht im Gegensatz zu der Verpflichtung zur Loyalität gegen die gesetzgebenden und ausführenden Gewalten. Denn zu mehr kann ja wohl ein Mensch nicht verpflichtet sein. Deshalb muss man Hass tragen gegen alle, die sich und uns allzu sehr dem Zeitgeist versklaven. Es ist ein überaus unsympathisches Bild, dass so schnell mit dem Systemwechsel in einem Land auch bei uns willige Federn bereit stehen, die ihre Liebe zu dem Neuen beteuern. Dem wahrhaft Ehrlichen wird es keiner übel nehmet!,