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Jeschurun · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. Seite 336

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 336 (sequence 8)
Language
German
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336 Die Zeitkultur und die traditionelle Agschaunng sondern es müssen notwendig, gleichsam ex definitione, Zusammenstösse erfolgen. Auch innerhalb der metaphysischen Lehren begegnen wir hinsichtlich ihres Verhältnisses zum Judentum fast paradoxen Erscheinungen. Ich denke hier vornehmlich wieder an Spinoza und Bergson. Wer von beiden Systemen Kenntnis hat, wird zunächt meine Meinung, dass manches aus Bergson uns näher steht als Spinoza, für befremdlich halten. Und in der Tat: Gott bei Spinoza als die ruhende Vollendung scheint uns aniprechender als das ״Dieu se fait״ bei Bergson. Aber, wie sch oben schon hervorhob, Bergson kennt den Freiheitsbegriff, eben weil ככיכול Dieu se fait. Auch uns ist doch der Freiheitsgedanke unendlich wertvoll. — Freilich will ich deshalb nicht ohne weiteres Bergsons allzu kühne Auffassung annehmen. Aber mir liegt daran zu zeigen, wie schwer es ist, eine einseitige Uebereinstimmung mit einem Philosophen zu vermuten, und wie reich anderseits die Beziehungen der jüdischen Gedankenweit zu vielen Systemen ist. Uebrigens möchte ich an dieser Stelle hervorheben, dass sich für die Vorstellung des ״Dieu se fait״ jedenfalls eine Analogie, wenn auch keine Ueberein- Stimmung in der agadischen Literatur findet: in der Vorstellung, dass Gott der Menschen zu seinem Werk bedarf. Dafür gibt es ja viele Belegstellen 1). Soweit ich sehe, scheint sogar dieser Gedanke dem Judentum eigentümlich zu sein. Natürlich weicht die jüdische Anschauung von der Bergsons schon dadurch erheblich ab, dass nach unserer Auffassung Gott sich eines Teils seiner Machtvollkommenheit freiwillig begeben hat, um sie durch die Tat reiner Menschen (צדיקים) wiederzurtickgewinnen. Es ist gewissermassen eine bewusste Problemsetzung durch Gott. Bei Bergson Messt ja erst der sich allmählich vervollkommnende Gottesbegriff aus der fortschreitenden Vollendung der Natur. — Die Ansicht, dass Gott durch die Schöpfung, die 1) Siehe z. B. Traktat Sabbat 89 a. היה לך לעזרני und die darausgezogene Konsequenz ועתה יגדל נא כח ה׳ dazu Raschi לומר תצלה מלאכתך u. מהרש״א z. Stיישר כחך ששיברת אשר שברת : צדיקים בדבורם מוסיפין כח וכו׳ .׳ ibid. 87 a. u. a. St.

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