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Jeschurun · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. Seite 335

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 335 (sequence 7)
Language
German
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Die Zeitkuliur und die traditionelle Anschauung 335 der Gegensatz der Immanenzphilosophie d. i. die Philosophie, die lediglich alles als Bewusstseinsinhalt auffasst und das Problem der Tr£1nszendenz bezw. der Realität d. h. eine wirkliehe, ausser des Bewusstseins vorhandene Existenz der Dinge ausscheidet, nicht lediglich gegen unsere Metaphysik sondern gegen alle Versuche einer ״Realisierung“ (Külpe); andererseits leugnet sie nicht die Möglichkeit des wirklichen Seins der Objekte unserer Erkenntnis sondern gesteht nur, dass unserer Einsicht das Reich der Metaphysik verschlossen bleibt. Ja, man könnte den Schluss ziehen, dass, wenn sie überhaupt einen Einblick in das ״Wirkliche“ zugeben könnte, sie eine Offenbarung postulieren müsste. (Selbstverständlich fordert die Immanenz- Philosophie die Offenbarung nicht; sie verzichtet lieber auf die Entschleierung des Bildes von Sais; aber ich will ja nur dartun, wie für sie einzig der Einblick in das Reale möglich wüirde). So ficht die Immanenzphilosophie weniger die Ergehnisse und Inhalte unserer Lehre an als deren Methode. Und das könnte uns kalt lassen, wTenn die Richtigkeit der Angaben gesichert ist. Auf der anderen Seite können auch wir ohne Widerstreben uns dem Studium einer solchen massvollen Philosophie hingeben; lehrt sie doch nur das Verhältnis von Bewusstsein und dessen Inhalten, und bei der Beschränkung auf eine solche Betrachtungsweise allen Erlebens ist kein Grund zu irgend einer Kontroverse. Anders das Verhältnis zu den metaphysischen Systemen. Diese sagen nicht minder als die Lehre des Judentums über Gott und Welt, Ziele und Zwrecke, Sinn und Wert von Werden und Vergehen aus und beanspruchen Autorität. Da bestehen nicht nur tatsächlich heftige Gegensätze, weil doch jeder Autor von einer ganz bestimmten Idee ausgeht — z. B. von der Definition der Substanz (Spinoza) : die meisten metaphysischen Lehren sind deduktiv; erst im letzten Jahrhundert ist die Erkenntnis erwTacht, dass entsprechend dem Geist moderner Forschung auch die Metaphysik nicht aus der Definition eines erhabenen Begriffes, wüe Gott, sondern aus der Summe der einzelnen Resultate der Wissenschaft hervorgehen, also induktiv sein müsse —

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