Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- Seite 331 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Zeitkultur und die traditionelle Anschauung 831 Daher sehen wir auch bedeutenden Wechsel in den Systemen unserer grossen Religionsphilosophen, der sowohl von der Individualität des Denkers als dem Wissensstand der Zeit sich herleitet. II. Wir müssen jetzt die allgemeinen Richtlinien für das Verhältnis des Judentums zur Zeitkultur gewinnen. Es gibt ein ständiges generelles und ein spezielles Problem, jenes folgt aus dem Vorhandensein der Begriffe: jüdische und nichtjüdische Kultur, dies wird von den bestimmten Zeitkulturen her bedingt. Folgende Gedankengänge bestimmen unsere Fragestellung. Insofern wir die Kultur einer Epoche als eine zeitliche begrenzte der ewigkeitsgesättigten jüdischen gegenüberstellen, muss unbedingt ein Gegensatz bestehen. Das also ist die erste Beziehung: Das Ringen von Ewigkeit und Zeitlichkeit. Das ist ein absoluter Gegensatz, der selbst dann bestehen ])leibt, wenn eine Aera unserem Lehrgebäude günstig gesinnt ist. Um wieviel mehr dann, wenn ein bewusster Kampf zwischen beiden geführt wird. Denn es ist, wie immer man es psychologisch begründen mag, eine sich stets wiederholende Erscheinung, dass das Zeitliche sich nicht damit begnügt, für seine Frist zu gelten, sondern fast immer bestrebt ist, sich dauernder Herrschaft zu bemächtigen, und dann hebt das imposante Schauspiel an, wo das Ewige in seiner erhabenen, olympischen Ruhe den Kampf mit der stürmischeren Zeitlichkeit ausficht. Dieser Feindschaft eingedenk, muss das Judentum sein Schwert geschärft erhalten und in der Defensive stark bleiben. Doch ist nicht nur Gegnerschaft und Fremdheit zwischen der jüdischen und der Zeitkultur, sondern es bestehen auch Kräfte der Anziehung. So wie die jüdische Lehre die Welt bereichert hat durch die Fülle ihrer ethischen Wahrheiten, die ebenso sehr im rechtlichen Leben wie in den sich an den Einzelnen wendenden Erziehuhgsworten zum Ausdruck gelangen, bat auch manche Zeitkultur dem Judentum Früchte gespendet. Was Aristoteles, was arabische Forschung für unsere raittel-