Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 316 (sequence 118)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2293000--04304-2297586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
316 Esriel Hildesheimer als Führer der Adass Jisroel. Esriel Hildesheimer als Führer der Adass Jisroel. Von Dr. Oskar Wolfsberg, Berlin. Die Wirksamkeit des grossen Führers im Kreis seiner jungen Berliner Gemeinde mag manchem historischen Betrachter als die am engsten begrenzte erscheinen; während sich seine wissenschaftlichen Arbeiten, seine unvergleichliche ch&ritative Tätigkeit, und vornehmlich der erzieherische Einfluss, den er durch seine Jeschiwah in Eisenstadt und das Rabbinerseminar ausübte, an weite Kreise wandte, bedeutete sein rabbinisches Walten in Berlin eia lokalisiertes Schaffen. Aber mit dieser räumlichen Begrenztheit, einer Schranke, die bei der geringen Ausdehnung seiner Gemeinde sein Amt besonders einesgte, wird ihm nichts von seiner Bedeutung geraubt. Will man die Leistung, die Esriel Hildesheimer als Berliner Raw vollbrachte, richtig einschätzen, so muss man ein Dreifaches würdigen; die Entrechtung, in der sich die geringe Zahl der Traditionstreuen bei dem traurigen kulturellen Stand des Judentums in Berlin vor Hildesheimers Berufung befand, die Persönlichkeit Esriel Hildesheimers, des edlen Mannes mit dem liebenden Herzen, der nun berufen war, zu Kampf und Trennung auszuziehen, und endlich das von ihm und seiner Schar Erreichte. Die Mendelssohnperiode und der Emanzipationstaumel hatten die deutsche Judenheit eines kostbaren Gutes beraubt, und zwar des Selbstverständlichen auf dem Gebiet des religiösen Lebens und Wollens, und hatten anstelle der Autorität den Individualismus auf den Thron gesetzt. Unkundige massten sich die Entscheidung in religiösen Fragen an, Verblendete in Jacobsohn’s Spuren wandelnd, versuchten es hüben und drübeu, die verschiedenen Religionen ihrer unterscheidenden Momente zu entkleiden und auch in den Aeusserungen des Glaubens, namentlich