Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 298 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
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298 Leben und Wirken Dr. L Hildesheimer•. den Aufenthalt dort erleichterte. Bei all5 seiner Liebe zum heiligen Land hielt er in seiner stets auf das Praktische gerichteten Art sich von unrealisierbaren Projekten fern. Als nun in den Jahren 1863—1864 der Plan einer grösseren Colonisation Palästinas auftauchte, für den u. a. auch der weitberühmte, auch philosophisch gebildete Talmudist R* Hirsch Kalischer in Thorn sich erwärmte, hielt Hildesheimer mit seinen Bedenken nicht zurück, da selbst einheimische Kenner der dortigen Verhältnisse, wie der verdienstvolle R’ Josef Schwarz, von diesen Versuchen abrieten. Hildesheimer sorgte aber nicht nur äusserlich für unsere Mutter Zion, er wollte auch besonders sie an ihren Söhnen erfreuen, ihr längst verlorene Kinder wieder zuführen. Daher setzte er sich auf die Kunde von dem Vorhandensein der Falaschas in Abessinien, denen die Gefahr drohte, ein Opfer der Mission zu werden, alsbald in einem auch wissenschaftlich gut begründeten Aufruf auf das Energischste dafür ein, dass diese Glaubens- und Volksgenossen unserer Gemeinschaft erhalten bleiben. In Worten von wärmster Begeisterung rief er die Judenheit auf, sich dieses Volksrestes in brüderlicher Liebe durch Ueberweisung von religiösen Büchern anzunehmen, damit sie in der Religion der Väter gestärkt werden. So hat Hildesheimer den Grund gelegt zu jener Pro-Falascha- Bewegung, die seitdem nicht aufgehört hat, in der Judenheit das Interesse für die fast vergessenen Volksglieder waehzuhaltea und allmählich eine Annäherung an sie anzubahnen. So entfaltete nun Hildesheimer eine reich gesegnete Tätigkeit auf den Gebieten von תורה עבודה וגמ״ח und bildete seine Schüler in seinem Geiste heran, damit sie in ihm einst die Gemeinden leiten sollten. Aus der grossen Zahl von Jüngern, dio sich in Eisenstadt um ihn im Laufe der Jahre scharten, ging eine stattliche Anzahl von Rabbinen hervor, die sowohl in kleineren, wie in grösseren Gemeinden im Sinne des Meisters segensreich wirkten und hierdurch es bewiesen, wie man Thorastudium und treues Festhalten an der Ueberlieferang sehr wohl mit moderner Bildung vereinen könne. Sie alle hingen und hängen noch jetzt mit schwärmerischer Liebe an ihm und seinem Andenken; noch ragen in unsere Zeit Männer hinein, die in ihren Kreisen führende