Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 297 (sequence 99)
- Language
- German
- Belongs to
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Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimers. 297 herbeifuhren könne, versucht er doch auch, den Andersdenkenden in den Kreisen der Gesetzestreuen die ihnen gebührende Ehrerbietung zu zollen, da er in ihnen die Träger der Thora zu ehren sich verpflichtet fühlt. Als ein Ausdruck edelster Gesinnung muss es betrachtet werden, wenn er in der Stunde, da die Huldigung von seiten seiner Schüler ihm das Richtige seines Weges deutlich zeigt, sie ermahnt, im Hinblick auf die neuerdings auftretende Richtung — womit zweifellos der der Aneignung weltlichen Wissens weniger geneigte und der der einfachen Religionsübung entgegengesetzte Chassidismus gemeint ist, — Rücksicht auf ihre Vertreter zu üben, zumal nahe Angehörige von ihnen dazu zählen. Wahrlich, das ist eine Selbstverleugnung, die alles für das Princip von תורה וידאה, nichts für die Verherrlichung seines Selbst freudig hingibt; was er von den Schülern fordert, er lebt es ihnen selbst vor, ein נאה דורש יגאה מק*ים. Zeigt sich in dieser Kundgebung Hildesheimers seine Hingabe an den Gedanken von btcv* נלד, so bekundet er diese in jener Feierstunde auch durch das treue Gedenken an das, was der Gesamtheit Israels von jeher teuer war, an א ר ץ ישראל. Er, der berufen war, die Schäden der religiösen Reform zu heilen, deren erste Taten darin bestanden, das Andenken an das heilige Land aus den Herzen seiner Söhne zu reissen, er fühlte es als heilige Pflicht, wie er sagte,על ראש שסההנו des Mutterbodens unseres Volkes zu gedenken und die Pflicht, für seine jüdischen Bewohner zu sorgen, den Schülern einzuschärfen. Und darum nahm er zum Thema der Reden auf dem Höhepunkt der Festtafel die talmudischen Aussprüche von den Vorzügen des heiligen Landes, die er in tiefsinnig geistreicher Weise ausdeutete. Dieser Zug in Hildesheimers Wesen führt uns zu seiner schon damals weltumspannenden Tätigkeit auf dem Gebiete der Fürsorge für die Glaubensbrüder. Sollte einmal eine Geschichte der neueren jüdischen Wohltätigkeit geschrieben werden, so würde das Capitel מIsrael Hildesheimer“ eines der glänzendsten werden. Vor allem ist seine Liebe zu ארץ ישיאל zu nennen. Er war es, der die Gründung von Armen- und Pilgerwohnuogen anregte und so den vielen Frommen, die ihre Tage an den heiligen Stätten beschliessen, oder doch einmal in ihrem Leben an ihnen beten wollten,