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Jeschurun · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 295

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 295 (sequence 97)
Language
German
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Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimers. 295 nur ihr Lehrer, sondern auch ihr Vater, der sich fürsorglich aller ihrer Bedürfnisse annahm, sie waren die Kinder seines Hauses in des Wortes wahrstem Sinn. Seiner Gemeinde, die. wie es in Ungarn schöne Sitte war, sich der Bachurim annahm, ging er selbst mit aufopferndem Beispiel voran, unterstützt von seiner herrlichen Frau. Sie, die Tochter aas reichem, vornehmen Hause, scheute sich nicht, neben ihren Pflichten als Hausfrau, repräsentierende Rabbinerin und Mutter einer zahlreichen Kinderschar, für die Schüler ihres Gatten die Kleider und Wäsche in stand zu halten. Hildesheimer selbst, bei aller Strenge der Anforderungen an seine Schüler, hielt, nach der Bestimmung unserer Weisen, auch ihre Ehre hoch. Als z. B. der Sohn seines Lehrers R. Jacob Cohn aus Altona zum ersten Male am Schiur teilnahm, knüpfte er im Vortrage fast durchwegs an Aussprüche dieses seines teuren Meisters an. So blühte denn die Rabbinatsschule sichtlich empor, getragen von dem festen Willen und dem gütigen Herzen ihres Leiters. Zeugnis von ihrer Wirksamkeit legen ab die drei in den Jahren 1858, 1867 und 1869 erschienenen Berichte. Bereits der erste, dem eine gehaltvolle und geistreiche Rede eines Bachur, des später in Halberstadt wirkenden Klausrabbiners Josef Nobel, vorangeht, zeigt uns, wie Hildesheimer begeisternd wirkte. Schon aus diesen Worten kann man sehen, dass die Art und Weise, in der der Lehrer seine Schüler anregte, wesentlich dazu beitrug, die einem jeden von ihnen eigenen Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen. So konnte Nobel sich, dank der ihm dort gegebenen Anleitung, zu einem der bedeutendsten Vertreter der Homiletik in echtjüdischem Gewände entwickeln, von deren ergreifenden V\׳irkung seine zahlreichen Werke beredtes Zeugnis ablegen. Aber auch zu echt wissenschaftlicher Behandlung der biblisch-talmudischen Literatur spornte Hildesheimer die Jünger der Jeschiba an : im zweiten Bericht über sie konnte er eine Studie von Jacob Cohn aus Altona, dem späteren Rabbiner von Kattowitz, über Saaäias Einleitung zu seinem arab. Psalmencommentar veröffentlichen,;mit der der Schüler gewissermassen an die Anfänge der schriftstellerischen Tätigkeit des Lehrers über die rechte Art der Bibelerklärung anknüpfte. Auch der dritte Bericht der Anstalt zeugte von dem eindringendem Studium der Bachurim

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