Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 294 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2293000--04282-2297564- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
294 Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimers. Hildesheimer :'(and, die Rabbinatsschuie, wohnte den Scbiurim bei, ebenso wie dem Unterricht in den weltlichen Fächern, musste seiner Zufriedenheit über seine Eindrücke von den talmuäischhalachischen Kenntnissen der ßachurim Ausdruck geben, konnte aber seine Verwunderung nicht unterdrücken, wie jener es fertig brachte, alle diese Unterrichtsleistungen zu betätigen. ״Wir alle, die wir von Ihnen gehört,“ so äusserte sich der Gast, ״sprechen stets von Ihren, wie, und in welchem Sinn Sie Ihr Institut leitend ״Nun״, antwortete Hildesheimer, ״Sie sprechen so viel über mich. Die Zeit, die Sie damit verbringen, kann ich eben, der ich über keinen rede, dazu nützen, um, ausser Talmud und Poskim, roch die anderen Wissensfächer zu lehren, ohne die rabbinischen Studien zu beeinträchtigen“. Schliesslich mussten doch die objektiv urteilenden Rabbinen zugeben, dass Hildesheimer nur von den lautersten Absichten geleitet wurde. Bemerkenswert ist besonders, dass auch der wegen seiner tiefgründigen Gelehrsamkeit und seines wahrhaft frommen Lebenswandels hochgefeierte und in chassidischen Kreisen wie ein Heiliger verehrte Rabbi Mosche Schick ihn als einen צדיק תמים erklärte: freilich durfte dieses Urteil weder damals noch später aus Furcht vor den Angriffen der Chassidim in die ()Öffentlichkeit dringen. Trotz allen Befeindungen arbeitete Hildesheimer rüstig und unbeirrt weiter für seine Schule, der, nach mehrjähriger erfolgreicher Tätigkeit, von der Staatsbehörde das Recht einer öffentlichen Anstalt zuerkannt wurde. Die ungeheure Arbeitskraft, die mit eiserner Konsequenz geübte Pflichttreue des Lehrers und seine ungeheucheite, von den Phantastereien eines ausartenden Chassidismus sich fern« haltende Frömmigkeit mussten eine ungeheure Wirkung auf die Jünger ausüben. Freudig seinem Beispiel folgend opferten die׳ von ihm besonders Herangezogenen gern ihre Nachtruhe, um in den frühesten Stunden, zusammen mit dem Rabbi dem ״Lernen“ und Studieren obzuliegen. In edlem Wetteifer überboten sich Lehrer und Schüler. Aber, ausser dem Ansporn, den Hildesheimers Eifer gab, war es auch sein Wesen, das die Jünger mit begeisterter Liebe zu ihm und zur Erfüllung seiner Anforderungen trieb. Denn er war nicht