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Jeschurun · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 293

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 293 (sequence 95)
Language
German
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Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimers. 293 Dichtung einzuführen, Ins er mit ihnen deren klassischen Werke, wobei er selbst die verschiedenen Rollen in je• veränderter Vortragsweise ihnen vordeclamierte. Von der Gediegenheit des deutschen Unterrichts in Eisenstadt, bei dem die in Deutschland vorgebildeten Schüler mithalfen, legt Zeugnis ab das Bekenntnis Maybaums, bekanntlich eines der gefeiertesten Krmzelredners der Neuzeit, dass er die stilistische Klarheit seiner Diction nur der strengen Schulung, die er in der Rabbinatsschule genossen, zu verdanken habe. Hildesheimers Lieblingsfach war allerdings, wie schon auf der Schule und der Universität, die Mathematik. Hier legte er das Hauptgewicht auf das. was für die Berechnungen in den mathematischen Partien des Talmuds, z. B. ’Erubin, Kilajim, Miädot usw. in Betracht kam; auch bei den alten Sprachen wurde vor allem das Bestreben gefördert, sich ihrer Hilfsmittel für die jüdische Altertumskunde und die fremdsprachlichen Elemente in der talmudischen Literatur zu bedieneu. So wurde alles nur für das Thora- und Tain :uristu di um nutzbar zu machen versucht und die Forderung des RMßM erfüllt, die weltlichen Wissenschaften lediglich in den Dienst der Erforschung unserer religiösen Urkunden zu stellen. Mit Recht konnte darum Hildesheimer, als von bildungsfeindlicher Seite unter den ungarischen Orthodoxen die Rabbinatsschule bekämpft und die Berechtigung ihres Leiters zur Erteilung von Profanunterricht bestritten wurde, bei der Behörde den rein religiösen Charakter seiner Anstalt hervorheben. Recht schwer wurde ihm allerdings seine Tätigkeit durch die Gegnerschaft aus der Reihe derer gemacht, die doch eigentlich seine Gesinnungsgenossen waren, und seine Bestrebungen unterstützen sollten. Aber ein kurzsichtiges Verkennen der Erfordernisse der Zeit, das sich noch später bitter rächen sollte, liess sie den deutschen Eindringling nur mit Misstrauen ansehen. Man wollte es eben nicht glauben, dass H’s Schule, die den Jüngern Profan wissen vermittelt, ihnen auch eine den ungarischen Verhältnissen entsprechende gründliche talmodische Ausbildung angedeihen lassen könnte. Alle Wertschätzung, die man den grossen talmudischen Kenntnissen ihres Leiters zollte, liess sie über diesen Zweifel nicht hinwegsehen. So besuchte einmal ein angesehener Rabbiner, der in freundschaftlichem Verhältnis zu

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