Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 292 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
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292 Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimers. wurde auf das Studium des Talmuds gelegt , dem täglich mindestens h—Std. gewidmet waren, wozu noch die obligatorische häusliche Vorbereitung hinzutrat. Ausserdem wurde in eingehendster Weise תב״ך und besonders Grammatik mit hebräischen Stilübungen unterrichtet. Auch der Unterweisung in der philosophisch-ethischen Literatur und in der Geschichte wurde die nötige Aufmerksamkeit geschenkt Ganz besonders wusste Hildesheimer den Eifer der Schüler dadurch anzuregen, dass er die älteren und begabteren zur Mithilfe heranzog, so dass diese selbst Schiurim leiteten und bestimmte geschichtliche Pensen nach seinen Anleitungen vor den Jüngeren vortragen mussten; ausserdem war er der geistige Mittelpunkt für den von den ßachurim geleiteten sog. ־ריפית-Verein, indem die theoretische Behandlung des talmudischen Stoffes und seine Verwertung für die rituelle Entscheidung gründlich gepflegt wurde. Um aber auch den Jüngern eine angemessene Profänbiidung angedeihen zu lassen, wurde in allen dazu notwendigen Fächern ein Unterricht erteilt, der an Gründlichkeit und Systematik dem in den rabbinischen Gegenständen nicht nachstand, ohne jedoch diesem Eintrag zu tun. Wenn man nun weiss, dass Hildesheimer, ehe er sich Helfer ans dem Kreise seiner Schüler, zumal der aus Deutschland stammenden, nehmen konnte, fast ganz auf sich allein beim Profanunterricht angewiesen war, so muss man staunen ebensosehr über seine wunderbare Arbeitskraft, wie über die geradezu geniale Kunst der Zeiteinteilung. Denn nicht nur die Jeschiba galt es ja zu leiten und zu überwachen, auch der an Zahl nicht unbedeutenden Gemeinde hatte er seine Zeit und Kraft zu widmen. Da mussten die religiösen Institutionen, allerdings mit Hilfe der Dajjanim, geleitet, die richterlichen Functionen ausgeübt, den W ohltätigkeitsvereinen die Fürsorge zugewandt werden. Und bei diesen umfangreichen Eabbinatspflichten, die sonst schon eines Mannes Kraftaufwand erfordern, ermöglichte es Hildesheimer in so intensiver Weise sich dem Unterricht seiner Rabbinatsschule zu widmen! Er, der in tiefgründiger A.rt Talmud und Decisoren lehrte, er vermochte in mehreren Wochenstunden selbst im Lateinischen, Griechischen, Deutschen und Mathematik zu unterrichten. Um die Schüler in die Schönheiten der deutschen