Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 291

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 291 (sequence 93)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2292929-2292996-2293000--04279-2297561
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimers. 291 herangebildeter Mann, R’ Mosche Sofer ans Frankfurt a. Mv Schüler des in seiner eigentlichen Grösse wohl no 11 nicht ganz gewürdigten R* Nathan Adler, des sog. הכיר שבכהונה. Dieser vielfach angegriffene Mann, dem aber sogar J.-H. Weiss gerecht za werden versucht, hat das Verdienst, das Talmudstudiam und das Jeschibawesen in Ungarn zur eigentlichen Blüte entfaltet zu haben. Allerdings hatte sich, unter vielleicht stillschweigender Duldung dieses grossen Rabbinen, angesichts der Verheerung, die durch die missverstandene ״Berüner Aufklärung“ in den österreichischen Landen angerichtet worden war, in seiner Umgebung ein aus den Zeitverhältnissen sehr leicht erklärliches Misstrauen gegen die Beschäftigung mit den sog. .דכני"־־ דדצודות herausgebildet, das auf weitere giaubenstreue Kreise Ungarns herübergriff. Und nun wollte in Eisenstadt ein akademisch gebildeter ״Doktor-Rabbiner“ einen ganz modernen Lernbeaieb einrichien! Wie konnte da erfolgreich das Talmudstudium gepflegt werden, dem doch durch den Unterricht in den weltlichen Fächern 10 viel Zeit geraubt wurde! Und ferner, lag nicht die Gefahr vor, dass der Giftstoff der ״Aufklärung“ in die Herzen der Bachurirn eindringe und sie der überlieferten Lehre untreu mache?! Solche Erwägungen erregten die Gemüter der ungarischen, Orthodoxie. Es erwuchs aber auch eine Gegnerschaft seitens der damals auch in Ungarn sich zu regen beginnenden Reformpartei, die den deutscher; Rabbiner als einen Dunkelmann oder gar als Heuchler betrachtete. Angesichts einer solchen schier nnübersteigbaren Mauer von Anfeindung wäre einem anderen als Hildesheimer der Mut gesunken. Doch er. von einem gesunden Optimismus geleitet, liess sich in dem einmal gefassten Ziel nicht beirren. Er war entschlossen, auch hier zu beweisen, dass man intensives ״Lernen“ sehr wohl mit der Annahme von weltlicher Bildung in grösserem Maasse verdingen könne. Sowohl aus Eisenstadt seihst, wie aus anderen Stadien Ungarns, selbst aus solchen, die Jeschi wo th hatten, aus der österreichischen Reichshälfte, aus Deutschland und Russland scharte sich im Laufe der Jahre eine stattliche Anzahl von Jünglingen um Hildesheimer, die unter seiner Leitung sich rabbinische und zeiigemässe!Bildung aneignen wollten. Hier zeigte sich nun die bewundernswerte Organisationsgabe des deutschen Rabbiners. Das Hauptgewicht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.