Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 290 (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
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290 Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimers. Bibelversioa befasst, recht wohl erkennen. Zar Wahl gerade eines solchen Themas veranlasste ihn wohl seine Vorliebe für mathematische Berechnungen. Wir haben nun das Werden und Wirken Hildesheimers bis zu einem Zeitpunkt verfolgt, wo er uns bereits als ein die Zeichen der Zeit verstehender Lehrer der Jugend erscheint, der sie auf den Weg von תורד, עם דרך אייץ zu leiten in seltener Weise befähigt ist; wir haben ihn auch als einen sturmerprobten und dabei besonnenen Kämpfer gegen alle Neuerungsbestrebungen kennen gelernt. Ein solcher Mann musste von der Vorsehung ausersehen sein, auf einem Posten zu stehen, der ihm in einem grösseren Kreise Gelegenheit geben sollte, für seine Ideale zu wirken. Eine solche Aufgabe winkte ihm i. J. 1851, als die aitehrwürdige Gemeinde zu Eisenstadt in Ungarn ihm ihr Rabbinat übertrug. Gern nahm er die Wahl an unter der Bedingung, dass er dortselbst eine Rabbinatsschule errichten dürfe. Mit der Berufung Hildesheimers nach Eisenstadt kam nicht zum ersten Male ein Deutscher auf einen ungarischen RabbinatsSitz. Schon früher waren talmudische Grössen aus Deutschland Führer von ungarischen Gemeinden gewesen. Bereits am Ende des 18. Jahrh. wirkte in der bedeutenden Gemeinde Pressburg eia Mann» den man auch in gewisser Beziehung als einen Halberstädtcr ansprechen kann: R’ Meir b. Saul B a r b y. Er führte diesen Namen nach seiner Vaterstadt, die nicht weit entfernt von iiaiberstadt war, auf dessen Jeschiba er seiner rabbinischen Ausbildung jahrelang oblag, von edelmütigen Gelehrten gefördert und unterstützt. Nach kurzem Aufenthalt in Frankfurt a. M. wurde er Dajjan in Haiberstadt, fungierte 1 Jahr als Rabbiner in Halle, von wo aus ihn die Gemeinde Pressburg, eine der sieben in überwiegend deutschspieches.den Gebiet liegenden, hochberühmten alten KehiUoth, zu ihrem religiösen Oberhaupt berief. Hier wirkte er mehr als 00 Jahre in sehr segensreicher Weise, als Verfasser sehr geschätzter Erklärungen zum Talmud, aber auch als treuer Vater und Berater seiner Jünger, die er in der Aneignung zeitgemässen Wissens gern unterstürzte. Ihm folgte im Rabbinate gleichfalls ein an den Quellen deutscher Talmudgelehrsamkeit und des deutschen wahren mvcn