Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 289 (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
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Leben und Wirken Dr. L Hildesheimers. 289 zeichnete schon damals eine die Probleme scharf erfassende Klarheit und eine Treffsicherheit des Urteils aus. Recht bezeichnend aber sowohl für die Bedeutung, die man ihm in der Reihe der dem Rabbinerberuf sich widmenden Jugend zuerkannte, wie auch für Hs Auffassung über ihre zu erstrebenden Ziele, nicht minder jedoch auch für die damaligen Verhältnisse, ist ein Bescheid, den er an einen Jünger der Jeschiba zu Altona, Meir Hirsch, ergehen liess. Es müssen damals in dieser Anstalt, in der Hildesheimer ungehindert neben Talmud auch weltliches Wissen sich aneignen durfte, Bestrebungen sich geltend gemacht haben, die, unter dem Mantel des r־Tcn, jede Beschäftigung mit den sogen, profanen Studien verpönt wissen wollten. Der Jeschibajünger wandte sich an den hervorragenden ehemaligen Schüler des IV Jakob Etiiicger um Rat, und dieser, um den Ruhm und die ungestörte Entwickelung seiner einstigen Lehrstelle besorgt, antwortete ihm, dass auch ihn die Sache mit Betrübnis erfülle, er gern durch einen Brief au den teuren Meister eingegriflfen hätte, aber doch davon Abstand genommen habe, da er eines Erfolges nicht ganz sicher gewesen sei. Nach seiner Ansicht &eien diejenigen Baehurim im Recht, die das wissensfeindiicke Chassiduth entschieden ablehnen, dessen Anhänger zumal selbst, erfahrungsgemäss, nicht das Nötige im Talmud- Studium leisten oder gar erstreben. Nur solle man über der Beschäftigung mit den Profanstudien nicht das Hauptziel, das ״ Lernen״, hiiiiansetzen. Der x\nfragende solle sich nicht beirren lassen und, falls er sein Ziel in Altona nicht erreichen könne, möge er, sobald es die Verhältnisse gestatten, es anderwärts versuchen. Während seines Halberstädter Aufenthaltes betätigte sich Hildesheimer auch in ernster Weise wissenschaftlich. Anknüpfend an seine Doctordissertation über die rechte Art der Bibelinterpretation veröffentlichte er in dem von Julius Fürst herausgegebenen ״Literaturbl:;tt des Orient״ v. J. 1848 eine längere Studie u. d. T. ״Mateiialien zur Beurteilung der Septuaginta״. Hier zeigt der Verfasser sowohl seine Vertrautheit mit der griechischen Sprache, wie auch mit der einschlägigen exegetischen Literatur; auch sein wissenschaftlich-kritisch es Verfahren können wir aus dieser Studie, die sich eigentlich mit den chronologischen Angaben der griechischen