Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 288 (sequence 90)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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288 Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimers. derung von der Gemeinde — פורשים מדרבי צביר — sich selbst als von ihr durch den sogen. נידוי Ausgeschlossene gekennzeichnet. Demnach könne man sie keineswegs zum Minjan zurechnen. Aber auch zur Thora dürften sie nicht aufgerufen werden, denn die Worte אשיי בהר בנו טבל העמים ונת! לנו תורת אמת והיי עולם נטע בתוכנו würden sich als Lüge erweisen aus dem Mund derer, die die Volksgemeinschaft aus materiellen Rücksichten ablehnen, und zwar, weil sie die Verbindlichkeit der mündlichen Lehre neben den aus ihren Anordnungen erwachsenden Opfer ablehnen. Ebenso sollte man ihnen das Kaddischsa-cn verwehren, denn wie können sie, die das Jenseits aufgeben, ihren Dahii.gegangenen durch ihr Gebet dazu verhelfen; allerdings wolle er hierin nichts Endgiltiges entscheiden. [ברץ־ עיון]. Auch auf eine Grabstätte auf dem Gemeindefriedhofe haben sie keinen Anspruch. Was uns an dem Gutachten Hildesheimers im Vergleich zu dem seines Lehrers Levian besonders bemerkenswert erscheint, ist sein bei aller Entschiedenheit doch besonnenes Urteil, das ihn die Sachlage richtig, erkennen lässt und nur solche Gründe gelten lassen will, die auch der gewiegteste Anwalt der gegnerischen Seite gelten lassen muss. Wir ersehen aber auch aus seinen Ausführungen, dass er mit v.'ller Meisterschaft das gesamte halaehische Material beherrscht. Zugleich aber lernen wir auch seine Bescheidenheit gegenüber dem Lehrer kennen. Dieser ihn auszeichnende Charakterzug kommt auch zum Ausdruck in einem Schreiben an einen befreundeten Gelehrten. Er bemerkt darin, dass er. im Bewusstsein seines verhältnismässig noch jugendlichen Alters und seiner noch geringen Bedeutung nach aussen hin, sich nur sehr schwer za einem Kampf gegen die Reformer entschlossen habe; aber die Erkenntnis, dass sonst keiner in den Riss sich zu stellen entschlossen sei, habe ihm den Mat zum offenen Auftreten verliehen. Indes könne er nur dann einen Erfolg sich versprechen, wenn er genügend Unterstützung bei seinen Gesinnungsgenossen finde. Hildesheimer muss in jener Zeit bereits weithin eine Be« deutung erlangt haben, da man sich von anderen Orlen an ihn mit Anfragen in rituellen Angelegenheiten wandte. Seine Bescheide