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Jeschurun · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 285

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 285 (sequence 87)
Language
German
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Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimers. 285 bereits damals die Fähigkeit an, späterhin der um ihn sich scharenden Gemeinde in allen ihren Angelegenheiten nicht nur Führer, sondern auch Berater zu sein. Sorgte er so für die Interessen der Lebenden, so bemühte er sich auch לגמול הסד עם המודם, indem er die Inschriften der fast verfallenen Grabsteine auf dem Begräbnisplatz zu entziffern und in einer eorrecten Abschrift der Nachwelt zu überantworten unternahm: die glanzvollen Namen der Lehrer und Führer der Gemeinde sollten den kommenden Geschlechtem ein Ansporn sein, es ihnen gleichzutun in Lehre und Leben und ihr Erbe unangetastet zu wahren. Aber noch in anderer YJeise war Hildesheimer für die ihm teure ileimatsgemeinde tätig. Es ist nicht verwunderlich, dass sich auch in Halberstadt die seit der Zeit des Consistorialpräsidenten Israel Jacobson in die Gemeinden eingedrungenen Reformbestrebungen so manche Neuerungssüchtige nicht ruhen Hessen, und, dass darum auch manche Kämpfe in der altehrwürdigen Kehilla entbrannten. In diesen Kämpfen den das Alte Hochhaltenden zum Siege za verhelfen, gelang nicht immer dem damaligen Rabbiner, R’ Mathias Levian, der, bei all’ seiner Charakterstärke und Gelehrsamkeit, doch nicht die Gabe eindrucksvoller Abwehr besäss. Auch E’ Aron Göttingen-Hirsch, bei alF seiner Energie, konnte wohl nicht immer durchdriDgen, und so kam es, dass recht oft neologe Männer in die Verwaltung der Gemeinde berufen wurden, und besonders nach der neuen von der Regierung den preussisehen Gemeinden verliehenen Verfassung. Die im Jahre!047 getroffene Neuregelung der Verhältnisse der Juden in Freussen gab jedoch den Frommen die Gelegenheit, bei der Regierung gegen den Ausfall der Wahlen zu den Verwaltungs- Körperschaften vorstellig zu werden. Es gelang, die Ausschreibung von Neuwahlen zu erreichen, aus denen eine Mehrheit gesetzestreuer Gemeindevertreter hervorging, so dass von dieser Zeit an der Gemeinde ihr streng religiöser Charakter gewährt blieb. Hervorragenden Anteil an dieser Wendung der Verhältnisse hatten neben IC Ahron Hirsch’s Söhnen, den Schwägern Hildesheimers, ganz besonders dieser selbst. Dieser Sieg der Konservativen in Halberstadt liess natürlich die um Ludwig Philippson gescharten Anhänger von Neuerungen nicht ruhen.

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