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Jeschurun · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 284

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 284 (sequence 86)
Language
German
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284 Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimers. erfahr alles, was an Erlebnissen and Eindrücken den künftigen Gatten bewegte; wieviele Zukunftspläne wurden da enthüllt vor der mit liebevollem Verständnis folgenden Braut! Und es waren keine leere Phrasen, die etwa im Ueberschwang der Stimmungen in den Briefen sich kundgaben. Vielmehr, wie Hildesheimer seine Gefühle der Liebe und Verehrung für Henriette Hirsch in aller Keuschheit äusserte, so trugen seine Entwürfe für die Zukunft den Stempel eines festen und besonnenen Entschlusses. Bald sollte er Gelegenheit haben, was er bis dahin erwogen, auch auszuführen. Nachdem er die Erkorene heimgeführt hatte, gestaltete er sein Heim zu einem Lehrhaus für Jünglinge, die, wie e r einst getan, das Forschen in der heiligen Lehre als Hauptzweck ihrer Ausbilduug ansehen und dabei sich Kenntnisse in den profanen Wissenschäften aneignen wollten. Eine Reihe lernbegieriger Jünglinge sammelte sich in Halberstadt um den jungen בעל הכית, dessen Haus ein בית המדרש ward; hier ward den Jüngern der Quell der Thora erschlossen, hier wurden s:e geleret an einen Brunnen, der nicht von den Winden des jeweiligen Zeitgeistes umgebrochen werden konnte, sondern dessen Inhalt ihnen Halt für das Leben geben sollte. Unter seinen Schülern aus jener Zeit nennen wir besonders Meir Lehmann aus Verden in Hannover, nachmals Rabbiner der israelitischen Religionsgesellschaft in Mainz, der . mit mannhafter Stärke und schneidender Schärfe später in dem von ihm begründeten ״Tsraelitu die Sache des überlieferungstreuen Judentums vertrat. Neben seiner Lehrtätigkeit widmete sich Hildesheimer mit besonderer Liebe den Verwaltungsgeschäften seiner teuren Heimatsgemeinde. Auch hierin zeigte sich eine Besonderheit seines Wesens; mit dieser seiner Tätigkeit stand er den Vorstehern seiner Ivehillah zur Seite, den Parnossim, und er erwies sich so als ihr Genosse in der geistigen Nahrung, die er der Gemeinde gab, indem er ihre Angelegenheiten von seiner hohen geistigen Warte herab ordnen half, zugleich aber auch ihren Ruhm, als Stätte einer Jeschiwa, aufrecht erhielt: so gab er der Halberstädter Gemeinde materielle und geistige Nahrung, und so eignete er sich

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