Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 283 (sequence 85)
- Language
- German
- Belongs to
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Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimers. 28S Lehrerseminars in Düsseldorf, alsdann der weitberühmte Rabbiner in Posen und feingeistige und charaktervolle Vertreter des streng gesetzestrenen Judentums, ferner Hirsch Plato, der spätere Leiter der von Düsseldorf nach Cöln verlegten Lehrerbildungs-Anstalt, und M. Poppelauer, der Inhaber der noch jetzt seinen Namen tragenden Buchhandlung, mit denen er sich zusammenschloss; da wurde ohne Scheu laut das Bekenntnis zur Lehre der Väter, zur Hebung ihrer Vorschriften und Bräuche zum Ausdruck gebracht. Mit berechtigtem Stolz konnte Hildesheimer später vor Rabbinatsjüngern auf seine Universitätszeit hinweisen, in der er sich mit dem Mut rüstete, sich die geistigen Waffen schuf, um später den schweren aber ehrenvollen Kampf zu führen, der Thora die Krone in ihrem alten Glanze wieder zu verleihen. Man denke aber nicht, dass dieser um Hildesheimer sich bildende Kreis eine ״Muckergesellschaft“ war, die in Weltfremdheit aufwuchs und für den Frohsinn der Jugend keinerlei Verständnis besass. Vielmehr fand sich auch in diesen Kreisen die Betätiguug echt jüdischer Lebensfreude, die gerade aus dem Lebensquell des Judentums, aus תורה יטצות, ihre Kraft zog. So nützte der Student seine Lehrjahre in dem damals so religionsfeindüchen Berlin aus. Den Abschluss gab er ihnen in Halle, wo damals Emil Rüdiger, der tüchtige Nachfolger eines Wilbeim Gesenius, das Fach der Semitistik vertrat. liier vervollkommnet© er seine Kenntnisse auf diesem Gebiete, und hier erlangte er die Dcctcrwüräe auf Grund einer Dissertation ״über die rechte Art, die Bibel zu interpretieren״. Natürlich konnte für Hildesheimer diese nur in der Ehrfurcht vor dem massoretischen Text bestehen, den die Altvordern wie ein kostbares Kleinod gehütet hatten. Leider ist uns diese Schrift nicht mehr erhalten, aus der wir so manches schätzenswerte zur Charakteristik des späteren Grossen in Israel hätten entnehmen können. Während seiner Studienjahre, die Hildesheimer von der Erwählten seines Herzens für geraume Zeit trennten, unterhielt er mit ihr einen lebhaften Briefwechsel, der uns einen Einblick gewährt in das Geistes- und Gemütsleben des Paares, das berufen war, später ״ein Hans in Israel zu bauen״, das man als ein ״Heiligtum im Kleinen״ bezeichnen konnte. Diese