Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 276

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 276 (sequence 78)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292996-2293000--04264-2297546
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

276 Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimers. Vaterstadt., und wohl auch bei dem damaligen, durch Gelehrsamkeit und Charakterfestigkeit ausgezeichneten Rabbiner der Gemeinde, R. Mathias Levian, — dessen der Schüler stets mit grosser Ehrerbietung gedenkt — noch weiter im Talmud fortgebildet, konnte Hildesheimer es unternehmen, nach guter, alter Sitte eine Jeschiba aufzusuchen. Er begab sich nach Altona, jener hochberühmten Gemeinde, die ihren Ruhm als ehemaligen Mittelpunkt der ״Drei- Gemeinäea-Aliona-Hamburg־W׳andsbeck darin suchte, wie vorher, so auch jetzt, durch umfassende Gelehrsamkeit ausgezeichnete Rabbinen zu ihren Führern zu berufen. In jener Zeit wirkte in Altona als Rabbiner R. Jakob Ettlinger. Ihn, den Spross einer alten Gelehrtenfamilie, zeichneten ein grosses Wissen auf halachischem Gebiete au^, das ihn befähigte, mit den Talmide Chachomim Polens, Russlands und Ungarns ״im Kampfe der Thora“ sich za messen. Aber auch weltliche Kenntnisse in grossem Mass besass Ettlinger; hatte er doch, ausser den Jeschiwoth, auch nach genügender Vorbereitung die Universität besucht, wo er sich der Philosophie widmete; über den Erfolg seiner Studien stellten ihm die Fach- Professoren vorzügliche Zeugnisse aus. Vor allem aber wurde der Glanz seiner rabbinisehen und allgemeinen Gelehrsamkeit durch seine herrlichen Charaktereigenschaften erhöht. Milde in seinem Wesen, doch von unerschütterlicher Festigkeit in der Vertretung seiner religiösen Prinzipien, so entsprach er dem von dem Propheten entworfenen Ideal eines wirklichen Priesters an dem Altar der Gotteslehre. Freilich nicht im hierarchischen Sinn, da ja dem Judentum jede derartige priesterliche üeberhebung dem ״Laientt gegenüber durchaus fremd ist; vielmehr wollte R. Jakob Ettlinger, dass man ״aus seinem Munde Lehre suche*, und so war sein Hauptstreben darauf gerichtet, der Thora eine Stätte zu bereiten und sie möglichst vielen Schülern mitzuteilen. Hier, in Altona, hatte Hildesheimer Gelegenheit, die verschiedenen Methoden des Talmudstudiums kennen zu lernen und in sich aufzunehmen. Vertrat R. Jakob Ettlinger, der Abkömmling einer rein deutschen Familie, die Art, wie man in Deutschland die Gemoroh interpretierte, indem man einfach das Ergebnis der Diskussionen in streng logischer, gründlicher Erörterung zu gewinnen und daraus die Praxis der Ha-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.