Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 253 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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B Die Gründung ’and Bedeutung des Rabbinerseminars in Berlin. 258 einen eigenartigen Reiz, sie wirkte auf den Lernenden und Be־ lehrung Suchenden weniger durch die Form als durch den Stoff und die Art wie sie ihn gab und vermittelte. Und manches treffliche Wort von Kanzel und Katheder, manche hei Gelegenheiter! aus dunklem hagaäischen Rahmen hervorleuchtende oder herausgelöste Weisheit blieb als eine liebe Erinnerung an die Lehrart Israel Hildesheimers haften und an die mannigfachen Formen, in denen er den geistigen Konnex, die seelische Verbindung mit seiner Person schuf und aufrechterhielt. Das menschlich Grosse, die Lehrerpersönlichkeit, nicht die Gelehrsamkeit allein, seine unerschöpfliche Willenskraft, der unverwüsilichc Optimismus, die Arbeit sf reudigkeit, der Opfermut, die vornehme Gesinnung, das gütige Mitempfinden und die Hilfsbereitsehaft, überall, wo es Gutes zu wirken galt, sich mit voller Kraft einzusetzen, waren doch der tiefste Eindruck, der in das Leben mit hinausging, das Beste, das den Geist des Seminars durch viele Hundert Kanäle in die jüdischen Gemeinden Deutschlands und des Auslandes dringen und dort umgestaltend wirken liess. Dort, wo noch ein lebendiges, tradUionstreues Judentum pulsierte, war die Aufgabe verhältnismässig leicht zu lösen und wurde auch gelöst. Da galt es zu erhalten und zu pflegen, die Thora zu verbreiten und zu wahren, alle Leben versprechenden Kräfte zu sammeln, aufzurufen und mobil zu machen für die Stärkung der überlieferten Religion. In dem fast halben Jahrhundert seit Gründung des Seminars haben dessen Seadlinge auch vielfach Gelegenheit gehabt, wo der Boden steinig, mit Dornen besät war. v;0 der Geist der Gemeinden nicht einheitlich, sondern zwiespältig war, abzuwmhren und zu verteidigen, dem Religionsgesetz die gebührende Stellung und Beachtung zu sichern, durch Wort und Beispiel im Sinne der Thora auf Gesinnung und Leben ein zu wirken, und in dem kommenden Geschlecht in Unterricht und Belehrung gegenüber dem destruktiven Geist, dem es so lange ausgesetzt war, die Sichtung auf das positive, wirklich historische Judentum zur Geltung zu bringen, dieselbe, welche das Seminar auf mannigfachen Gebieten der Wissenschaft des Judentums mit Glück und Erfolg vertrat.