Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 254

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 254 (sequence 56)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2292996-2293000--04242-2297524
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

254 Die Gründung und Bedeutung ass Eabbinerserninars in Berlin. Vor und bei seiner Gründung wies man mit einiger Be־ sorgnis auf die Tatsache hin, dass unter den Gesetzestreuen strenge Wissenschaftler noch nicht vorhanden wären. Wie jede theologische Lehranstalt setzte auch das Rabbinerseminar seine Ehre darein, eine Pflanzstätte der jüdischen Wissenschaft zu sein, um in streng methodischer Forschung dem positiven Judentum und seinen Lehrmeinungen eine starke Stütze zu schaffen und zu bieten. Die Lehrtätigkeit am Seminar hat Ahr. Berliner Gelegenheit und Anregung gegeben, die jüdische Literatur und Literaturgeschichte durch eine ausgedehnte Sammel- und Forscherarbeit zu bereichern. J. Barths Forschungen zur hebräischen Grammatik und zum hebräischen Lexikon, die auf streng wissenschaftlicher Grundlage aufgebauten Beiträge zur Erklärung der Propheten und Hagiographen, zu Jesaia und Hiob, sind als Seminar-Abhandlungen erschienen und haben einer besonderen, allen Konjekturen und Hypothesen abgeneigten Behandlung des Bibeltexts nach philologischer Methode auf jüdischem Boden die Wege bereitet. David lloffmann bedeutet einen Wendepunkt in der Exegese des Pentateuchs. Seine ״Instanzen״ haben den Angrilfsstoss, den seine Abhandlungen derfsiebziger Jahre gegen die bekannteste, fast die ganze christliche und einen Teil der jüdisch-theologischen Welt beherrschende Graf-Wellhausen’sche Theorie über die Thora geführt haben, vollendet und deren Schwierigkeit und Unhaltbarkeit auf Grund sorgfältiger Befragung der Texte und der Quellen erwiesen. Sein ״Leviticus״ und ״Deuteronomium“ aus Vorlesungen am Seminar herausgewachsen, zeigen in grosszügiger Form, wie in steter Fühlung und Auseinandersetzung mit den Anschauungen der Modernen die traditionelle Auffassung des Thoraworts zur Geltung zu bringen ist. Israel Hiidesheimers Edition der הלבות גדולות mit grossangelegtem Kommentar, an der Schwelle des Greisenalters verfasst, ist ein glänzendes Zeugnis für des Herausgebers Gelehrsamkeit und Schaffenskraft und zeigt, dass auch in gesetzestreuen Kreisen die wissenschaftliche Behandlung eines halachischen Quellenwerks möglich und üblich ist. Eine Schaar von Jü■}gern und Jüngeren ist den Spuren des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.