Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 252 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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252 Die Gründung und Bedeutung des Rabbinerseminars in Berlin. Leben. Wenn diejenigen, die von der Höbe des Lebens schon wieder berniedergleiten — die ersten weilen z. T. schon in den Fluren der Wahrheit — den Gesamteinäruek ihrer Seminar- Ausbildungszeit analysieren, so müssen sie bekennen, dass sie das Treibende, das Fruchttragende, das Eeste seiner machtvollen und fortreissenden Individualität verdanken, von der jeder gleich- 8am ein Stück in sein Leben hinaustrug. Hildesheimer war kein faszinierender Lehrer, der durch glänzende Einfälle und kühne Hypothesen zu blenden suchte, aber ein aus der unermesslichen Fülle seines Wissens in Misehna, Talmud, Midrasch, den Werken der nachtalmudischen Literatur, Responsen und Kodificatoren unerschöpflich Gebender, ein Steuermann auf dem ״Meer des Talmud״, wie ihn alle sich nicht besser wünschen konnten, sowohl die Kundigen wie jene, die sich noch erst schüchtern hinauswagten. An dem Eifer, der ihn beseelte, an dem Feuer, das seine Lippen umspielte, erwachte und entfachte sich in dem Herzen eines jeden Schülers die Liebe zum ״Lernen“, die durch das Vorbild des eisernen Fleisses, das man ständig vor Augen hatte, nur noch erhöht und beflügelt wurde. Er war ein treuer und starker Führer, der sich auch der Schwächeren gütig und liebevoll annahm, niemals die Geduld verlor, immer anzuregen, zu ermuntern, hinaufzuziehen verstand, wie denn in seinem Wesen die Strenge und Unwandelbarkeit seiner Grundsätze sich mit der Milde und Güte seines Herzens zu einer wundervollen Einheit zusammenfanden. Bekaontermassen wurde dies auch von seinen Gegnern gebührend gewürdigt Das Mittelglied in dem bekannten Micha wort 'עשות משפט ואהבת חסד והצנע לנת עם אל, bat er seinen Schülern wiederholt gleichsam als Wegzeichen für die Lebensarbeit in dem Sinne gedeutet, dass die Männer, die in der Oeffentlichkeit zu wirken berufen sind, nicht bloss Güte sondern ״Liebe zur Güte“ besitzen müssen, um bei allen Unbilden die sie erfahren, bei allen Anfeindungen, denen sie ausgesetzt sind, trotz aller Fehlschläge, die sie erleben, den Schwung der Seele nicht einzubiissen und das erhabene Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Solch feine Bemerkungen, Deutungen, Auslegungen des Schrift- und Midraschworts verliehen seiner Predigt