Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 249 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Gründung und Bedeutung des Rabbinerseminars in Berlin. 249 kein belangloses Beiwerk, sondern ein notwendiges Glied in der Kette. Ohne genaue Bibelkenntnis ist das Judentum, ist der Talmud nicht zu verstehen. Richtiges und ausreichendes Verständnis der Bibel könne nur eine Exegese und exegetische Lehrkraft vermitteln, die auf der Höhe zeitgenössischer Wissenschaft stehend im Stande sei. ihren Fragen und Problemen mit selbständigem Urteil zu folgen und sie von gesetzestreuem Standpunkt aus zu beleuchten. Bibelkritische Theorien, die Angriffe und Einwürfe gegen die innere und geschichtliche Wahrheit sowie gegen die traditionelle Auslegung der Heiligen Schrift dürfen nicht hochmütig übersehen, sondern müssen geprüft, untersucht und widerlegt werden. Sie kennen zu lernen, zu ihnen Stellung zu nehmen, darf dem Zufall nicht überlassen bleiben, sonst stiften sie unheilvolle Verwirrung. Die Religions- Philosophie wird die Bekanntschaft mit den grossen Denkern der jüdischen Vorzeit vermitteln und an ihrer Hand die Gegenwartsfragen der Religion und die grundlegenden des Judentums zu erörtern haben, die Geschichte der oft tendenziösen Behandlung des jüdischen Altertums entgegenwirken, und alle zusammen eine nicht auf Gefühl, sondern auf wissenschaflichen Ergebnissen beruhende Gesamtauffassung des überlieferten Judentums fördern. Es sei, das musste man den Gegnern der Seminargründung sagen, für die Orthodoxie unumgänglich notwendig, dass der Nimbus, mit dem sich die Lehranstalten der Gegenseite umgeben, alleinige Pflegerinneu und Vertreterinnen der jüdischen Wissenschaft zu sein, zerstört und die Behauptung entkräftet werde, dass Talmudstudium und jüdische Wissenschaft im modernen Sinne ebenso unversöhnliche Gegensätze seien wie einst Rechtgläubigkeit und Bildung. Dieses von der Gegenpartei geflissentlich genährte Vorurteil übe nicht nur eine suggestive Wirkung auf das schlecht unterrichtete, wenig Urteilsfähige Publikum aus, sondern auch auf die Jünger der jüdischen Theologie. Der Drang zur Wissenschaft führe die aus orthodoxen Familien und Lehrstätten kommenden Studierenden Polens, Russlands, Galiziens, Ungarns, in die Hörsäle der Universitäten, wo sie, ihrer ganzen Vorbildung nach unfähig, mit selbständigem