Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 250 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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250 Die Gründung und Bedeutung des Babbinerseminars in Berlin. Urteil zu prüfen, leicht das Opfer schimmernder, religionsfeind־ lieber Theorien ,werden. Diejenigen, denen der Weg zu steil, die Arbeit zu schwer, den Erwerb wissenschaftlicher Grundlagen auf eigene Hand zu mühselig erscheine, treten, da ihnen von orthodoxer Seite nichts Gleichwertiges geboten werde, zuerst mit innerem Widerstreben, das sich durch Gewöhnung und Anpassung mindere, in die neologen und halb neologen Anstalten ein, die ihnen mit der rabbiuisclien zugleich eine Wissenschaftliehe Ausbildung böten. So gingen dem orthodoxen Judentum viele wertvolle Kräfte, die zu ihm gehörten, verloren. In dem Auf* und Niederwogen des literarischen Kampfes, unter der Erörterung des für und wider ruhte die Werbearbeit nicht einen Moment, erleichtert durch die Erkenntnis, die grade durch die öffentliche Klärung aller einschlägigen Fragen erhöht wurde, das zu schallende Werk sei ein unabweisliches Bediirfnis. Der Lehrkörper wurde gebildet. Als Mitarbeiter Israel Hildesheimers, der als Kektor die Leitung und in der Oberstufe Talmud, aber auch Keligionsphilosophie und jüdische Geschichte übernahm, wurden als Dozenten Dr. David Iloffmann für Talmud, Ritualkodices und Pentateuchexegese und Dr. Abraham Berliner für nachtalmudische Literatur gewonnen. Für die wissenschaftliche Auslegung und Behandlung der anderen hihlisehen Bücher wTar im Anfang noch keine Lehrkraft vorhanden. Das erste Vorlesungsverzeichnis erschien, und endlich auch der Tag, an welchem die unermüdliche Ausdauer, der ungebrochene Arbeitseifer, der Opfermut und die Begeisterungsfreudigkeit von Erfolg gekrönt wurden. Das Werk wTar vollbracht. Am 22. Oktober 1873 (1. Marcheschwan 5634) wurde das Rabbinerseminar für das orthodoxe Judentum in Berlin feierlich eingew~eiht und eröffnet, eine Schöpfung, ein Erfolg des deutschen, überlieferungstreuen Judentums. Es wrar sich der Bedeutung des Tages in vollem Umfang bewusst. Seine Vertreter aus allen Gauen waren zur Eröffnungsfeier erschienen, ein vierhundertköpfiges Publikum verlieh ihr Grösse und Weihe, die Minister des Kultus, des Innern, das Provinzial-ScbulkoHegium hatten Vertreter entsandt, und vor ihnen Allen zeichnete Isr. Hildes-