Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 248 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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248 Die Gründung und Bedeutung des Rabbinerseminars in Berlin. werden, sondern wirklich Rabbiner ausbilae, welche ihr ureigenstes Gebiet lückenlos beherrschen, da Mängel und Lücken liier durch keine anderweitigen Leistungen ausgeglichen werden könnten. Das Talmudwort (Sota 22 a) כי דיים חללים הפילה זה תלמיד הכם שלא הגיע להוראה ומידה welches den Spruch: .,Viel sind der Erschlagenen, die sie zu Fall gebracht“ auf einen Gelehrten anwendet, der ohne genügende Kenntnisse religiöse Entscheidungen treffe, dürfe nicht an den Schülern dieses Lehrbauses zur Wahrheit ,werden.“ Man mag diese Bedenken einseitig, die Befürchtungen übertrieben finden, sie waren nicht ganz von der Hand zu wreisen. Damit war das Problem wiederum in seinem Kern berührt und in seiner ganzen Schwere aufgerollt. Verbindung von Thora und Wissenschaft תלמוד תירה עם דרך ארץ oder Pflege der einen unter Abteilung der anderen? Mit der Antwort auf diese Frage fiel die Entscheidung über die Stellungnahme zum Seminar. Die Passivität und Zurückhaltung der Kreise, welche die Erreichbarkeit des Gesamtziels, die Wissenschaft neben dem Talmud zu pflegen, bezweifelten, die Notwendigkeit und den Nutzen des neuen Weges verneinten, musste überwunden werden, um dem Eabbinerseminar in der gesamten gesetzes־ treuen Judenheit eine breite Basis zu sichern. Ohne Zweifel beruhte der Haupteinwurf der Gegenseite auf einem Missverständnis. Dass die wissenschaftlichen Disziplinen in dem neuen Lehrplan Talmud und Ritualkodices aus ihrer zentralen Stellung verdrängen könnten, lag einmal dem Ideengang und der bisherigen Wirksamkeit Israel Hildesheimers vollkommen fern. Und dann das Gegenteil war in wiederholten, vertraulichen und öffentlichen Kundgebungen von ihm ausdrücklich^ zu gesichert worden. תורה שבנתב ושבעל פה war nicht nur der starke Grund und bindende Standpunkt der neuen Anstalt, sondern ihr wichtigstes Studiengebiet, dessen ausreichende Beherrschung natürlich Voraussetzung und Bedingung war für die Entlassung in ein rabbinisches Amt. Die akademischen Fächer sollen und können den Talmud von seinem bevorzugten Platz nicht verdrängen, das beweist schon der knappe Raum und das Zeitmass, das ihnen im Studienpian zugebilllgt ist, aber sie sind auch