Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 245 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2293000--04233-2297515- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Gründung und Bedeutung des Rabbinerseminars in Berlin. 240 die Hoffnung ־vvohlbegründet, dass die geplante Neuschöpfung־ auch auf die Teilnahme der breitesten Schichten rechnen dürfe und in absehbarer Zeit, w^enn die Beiträge sich auf 50C0 Thlr. erhöhen würden, in’s Leben werde treten können. Man dachte, der Thora im umfassendsten Sinne des Wortes eine Stätte zu gründen, von der, wie in den Jeschibotli, ihr Licht in alle Bevölkerungskreise dringen, ihr Glanz sich über alle Berufe breiten, alle Sphären des jüdischen Lebens erfassen und durchdringen solle, da sie ja ein Erbteil der Jakobsgemeinde nur in deren Schoss, von allen getragen, gesichert sei. Für diejenigen, die als künftige Rabbinen die Vertretung der Thora zu ihrem Lebenslauf erwählen, werde naturgemäss ein anderer Studiengang vorgesehen. Ein gründliches, genaues und tiefes Eindringen in den babylonischen Talmud, in die liitualkodices, praktische Einführung in gewisse Gebiete der Halacka wie .שחיטת בדיקה מילד, .ferner jerusalemischer Talmud und Midrasch, und dann in akademischen Vorlesungen Bibelexegese, Religionsphilosophie, jtidisehe Geschichte, Homiletik und Pädagogik. Es bedurfte der unermüdlichen Arbeitskraft, des bingeben־ den Eifers aller Beteiligten — teilten sich doch die besten Männer der deutschen Orthodoxie, Oberr. Altmann in Karlsruhe, Br. Cohn in Schwerin, Br. Auerbach in Halberstadt, Emanuel Schwarzscbild in Frankfurt u. A. mit Hildesheimer in die Verantwortung für das neue Werk — um aller Schwierigkeiten Herr zu werden, alle Hemmungen auszuschalten, alle Klippen, die auftauchten, zu umsegeln, alle Missverständnisse innerhalb und ausserhalb des eigenen Lagers aufzuklären und zu beseitigen. In der ״Israel. Wochenschrift*‘, dem Organ des Breslauer Seminars ־wurden dem noch ungeborenen Kinde schon Steinblöcke in den Weg gerollt, alle Massnahmen der Vorbereitung mit ausgesprochenem Missbehagen verfolgt. Bas darf Niemanden wundern. Zu deutlich wies das traditionstreue Judentum auf die Grenzlinie hin zwischen ihm und der in Breslau eingehaltenen Riehtung. Bass der blinde Eifer der Gegner sieb bis zu der Behauptung verstieg, die wissenschaftlichen Bisziplinen, die nach dem Prospekt in dem Berliner Seminar gelehrt ־werden sollen,