Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 244 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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244 Die Gründung und Bedeutung des Rabbinersexninars in Berlin. ganzen Rabbiner- Persönlichkeit, wenn nicht unmöglich, so doch erheblich erschwert ward. Erwägungen dieser Art, welche die wichtigsten Gesichtspunkte verschoben, mussten von vorneherein zuriickgewiesen werden, und aus diesen Gründen konnte sich Hildesheimer und wollte sich seine Eisenstädter und neu hinzugekommenen Schüler nur dazu bereit finden, in eine von einem, nämlich seinem Geist und nach seinen Grundsätzen geleitete Lehranstalt einzutreten. — Durch die sehr lebhafte Zeitungsfehde, die sich über die Frage ״Seminar״ oder Fakultät erhob, gewann die Idee an sich an Werbekraft in der breiteren Oeffentlichkeit. So sehr die Geister mit und gegen einander stritten, dass es eine Lebensfrage für die Orthodoxie bedeute, rahbinische Vertreter ihrer Anschauungen methodisch heranzubilden, wurde fast Widerspruchslos anerkannt. Einig im Ziel, entbehrte man noch der vollkommenen Einheit des Wegs. Das wachsende Verständnis für die Lebensnotwendigkeiten des gesetzestreuen Judentums gab Israel Hildesheimer den Mut, deu lange gehegten Plan in Deutschland, in Berlin der Verwirklichung entgegenzuführen. In einem strengvertraulichen Rundschreiben wandte er sich zuerst an zehn, dann an einen weiteren, immer noch sehr kleinen Kreis von Rabbinern und andere durch ihr für die Thora opferwilliges Mäcenatentum ausgezeichnete Männer und erzielte einen überraschenden Propagandaerfolg. Schon am 1. Eilul 6622 (4. September 1862) erschien20) ein ausführlicher Prospectus des Rabbinerseminars für das orthodoxe Judentum in Berlin, der neben einem eingehenden, Einzeiheiten berührenden Studienplan auch Bericht über die Vorarbeiten erstattete, die in kaum 4 Monaten einen Fonds von 9000 und Jahresbeiträge in Höhe von 3500 Thlr. zum Ergebnis hatten. Nachdem, so hiess es dort, bereits in einzelnen Gemeinden sich Ortsausschüsse zur Förderung des Plans gebildet hätten, ein Zentralkomitee aus hervorragenden orthodoxen Männern des Landes, Rabbinern und angesehenen Laien die Verantwortung und Fürsorge übernommen habe, sei 20) Jüd. Presse 1872 Nr. 38.