Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 241 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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ta Die Gründung und Bedeutung des Rabbinerseminars in Berlin. 241 Schritt für Schritt die Vorherrschaft erkämpft. Noch unter Michael Sachs, der mit seiuem Feuerwort die Geister aufzurütteln, Begeisterung zu wecken und die *Müden zu stärken“ verstand, war der zähe Widerstand der altkonservativen Kreise gebrochen und die Vertretung der Gemeinde in die Hände der Reformfreimde gelegt worden. Nach dem Tode von Sachs, den Martin Philippson, weil er nicht nur die Neuerungssüchtigen sondern auch die um entwegt Bildungsfeindlichen bekämpfte, merkwürdigerweise zu den ״Halborthodoxen“ zählt, waren die Gesetzestreuen verwaist, und die Reform hatte freie Bahn. Abraham Geiger, ihr entschiedenster und rücksichtslosester Kämpe wurde als Sechzigjähriger nach hartem Widerstand von Frankfurt nach Berlin berufen und hatte nun in der grössten Gemeinde Deutschlands die Plattform für seine Ideen gefunden. 200 für ihr Judentum begeisterte Männer schlossen sich um Hildesheimer zusammen und erhofften, nicht mit Unrecht, von seiner durch keine Widerwärtigkeiten zu brechenden Tatkraft, von seinem wundervollen Optimismus und seiner zähen Beharrlichkeit eine Wiederbelebung des unverfälschten Thorajudentums. Seine Lieblingsschöpfung, die Rabbinerschule, sollte unter seiner Amtsführung nicht leiden. Eine Reihe von Schülern war ihm aus Eisenstadt gefolgt, die nach den akademischen Studien an der Berliner Universität ihr rabbinisches Wissen zu ergänzen und zu vertiefen suchten. Die schon früher empfundenem Mängel eines wenig einheitlichen, nicht klar durchdachten und fest umrissenen Studienganges ohne Plan und System machten sich nur noch schärfer fühlbar. Ohne zielbewusste Führung verzettelten die Studierenden ihre Zeit und Kraft an Gegenstände und Fächer, die, hei dem Wis3enshunger, der sie erfüllte, und bei der verwirrenden Fülle, die ihnen grade die Berliner Hochschule darbot, ihr Interesse erregten aber doch abseits von ihrem eigentlichen Ziele lagen. Die Gefahr, dass sie Seitenwege einschlugen, die nicht nur abseits, sondern in die Irre führten, lag bedrohlich nahe, ebenso die andere, dass sie akademische Disziplinen, die für ihre Berufsausbildung unumgänglich notwendig waren, wrie Bibelexegese und Religions- Philosophie, in einer Auffassung und Beleuchtung kennen lernten,