Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 238

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 238 (sequence 40)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2292929-2292996-2293000--04226-2297508
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

208 Die Gründung und Bedeutung des Rabbinerseminars in Berlin. sich ergebenden Schwierigkeiten zwangen zu diesem Schritt In den zwei Jahrzehnten, die seit den Rabbinerversammlungen der vierziger Jahre vergangen waren, hatte die Reform trotz der Zerfahrenheit Planlosigkeit und Willkür, die dazumal offenbar wurden, an Anziehungskraft nicht cingebüsst Die unmittelbare Wirkung jener Rabbinerzusammenkünfte, bei denen der Radikalismus der Beschlüsse in einem Missverhältnis zu der Anzahl der Teilnehmer — im Durchschnitt waren es nicht mehr als 24 bis 26 — stand, war äusserst gering, aber die Welle, die von ihnen ausgesandt wurde, verlief doch nicht völlig im Sande. Die politischen Kämpfe um Freiheit und Rechtsgleichheit liessen nicht nur den religiösen Meinungsstreit, sondern die religiösen Interessen überhaupt in den Hintergrund treten. In den Gross- Städten standen die führenden Schichten dem Judentum entweder mit vollkommener Gleichgültigkeit gegenüber, ohne ihm geradezu den Rücken zu kehren, oder wünschten die Einheit ihres Lebens mit der Lehre, den Einklang ihrer schon fest begründeten religiösen Praxis mit der Theorie durch reformerische Massnahmen im Gemeindeleben zu erreichen. Die Gegenwirkung, die Hirschs mut- und kraftvolles Auftreten auszulösen in der Lage war, blieb immerhin begrenzt. Von Frankfurt aus konnte er, besonders seit er sich im Jeschurun ein literarisches Organ für seine Be- Strebungen geschaffen hatte, eine intensive Tätigkeit entfalten. Aber so sehr er, von seinen Gegnern angefeindet, oder von dem Geist der Wahrheit und glühender Ueberzeugung getrieben, Wort und Feder wie eine scharfschneidige Waffe führte, er wollte die Reform garnicht niederringen, sondern sich und seinen Gesinnungsgenossen die Freiheit zu leben, zu glauben und sich zu entwickeln. ״Friedlich,“ so sagt er in einer Polemik gegen Dr. Hess (Ges. Sehr. 3, 487), gedachten wir, die zur Entwicklung unseres religiösen Glaubens erforderlichen Institutionen zu gründen und zu vollenden. Und wahrlich, friedlich hätte man uns unseren Weg gehen lassen können. Wir haben diese auf andern! Wege ihr Heil suchenden Brüder nie angegriffen, und werden sie nie angreifen. Wir sind überzeugt, das bessere, wahrere Teil er« griffen zu haben, — wir gestehen, provoziert, es offen, wir sind

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.