Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 236 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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230 Die Gründung und Bedeutung des Rabbinerseminars in Berlin. in gesetzestreuen Kreisen die Ueberzeugung, dass eioe nach den Grundsätzen Frankels geleitete Rabbiner Bildungsanstalt den Erwartungen und Hoffnungen, die man gebegt, und mit denen man die religiöse Zukunft des Judentums zu sichern gedachte, nicht entspreche. Der Wunsch nach der Gründung eines orthodoxen Rabbinerseminars wurde laut. *Die Gründung eines orthodoxen Rabbinerseminars unter der Leitung eines ganzen Mannes ist die dringendst gebotene Notwendigkeit. An Männern, die sich dazu eignen, fehlt es G. 8. D. nicht״. Ein bestimmter Name wurde noch nicht genannt, vielleicht auch an keinen hestimmten gedacht. Aber die Idee, als Bedürfnis einmal erkannt, sollte nicht wieder verschwinden. V. In Ungarn kämpfte Israel Hildesheimer für diesen Gedanken seit über einem Jahrzehnt. Unmittelbar nach der Uebernahme seines Eisenstädter Amts gründete er, einer tiefempfundenen Neigung folgend und das zwingende Bedürfnis erkennend, eine Rabbinerschule, der er mit der Zähigkeit, Ausdauer, Entschlossenheit und Unermüdlichkeit, die ihn zeitlebens auszeiebnete, den allergrössten Teil seiner Zeit und Arbeitskraft widmete. Getreu seinem Lebensideal, unverfälschtes, unverbrüchliches Judentum mit weltlicher Bildung und wissenschaftlicher Schulung zu einen, Gegenwart und Zukunft auf den starken, unzerstörbaren Grundsäulen altjüdischer Vergangenheit aufzurichten und von ihnen tragen zu lassen, vermittelte er seinen Jüngern, die anfangs spärlich, dann aber in immer grösserer Zahl ihm zuströmten, fast allein, fast ohne Unterstützung einer Lehrkraft nach einem wohlerwogenen Studienplan gründliche Kenntnisse in Talmud und Dezisoren wie in der deutschen, in den klassischen Sprachen und Mathematik. Den Kampf für seine Ideen hatte er nach zwei Fronten zu führen, gegen die Reform, deren Pläne und Bestrebungen er durch seine programmatische Forderung der allgemeinen Bildung durchkreuzte, und gegen die Orthodoxie, die wiederum in diesem Teil des Programms eine gefährliche Neuerung und trotz seiner unantastbaren Frömmigkeit und Persönlichkeit,