Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 235 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Gründling1 und Bedeutung des Rubblncrseminars in Berlin. *205 der Weg, den Fischer und Hirsch unabhängig von einander einschlugen, und auf dem es ihnen zu beweisen gelang, dass die im Talmud beschriebenen Gesetzesmassnahmen und Vorgänge auch logisch mit den Voraussetzungen und Annahmen Frankels nicht zu vereinbaren seien. Freilich die Erklärung, zu der Hirsch namentlich durch seine Beweisführung Frankel drängen wollte, dass dieser die sinaitische Herkunft der mündlichen Lehre verwerfe oder positiv amerkenne, ist nicht gegeben worden und brauchte kaum abgegeben zu werden. Die Kluft zwischen der Frankel’schen und der gesetzestreuen Auffassung lag offen zu Tage. Der blossen Erkenntnis des Verhältnismassig hohen Alters der Halacha traute mau in diesen Kreisen die Kraft und den Einfluss nicht zu, die Erziehung eines traditionstreuen Rabbinergeschleehts auf dieser Grundläge aufzubauen. Ebenso wie man sich den Bedenken gegen ein anderes Resultat der Hodegetik nicht verschloss, dass die Mischna nicht immer nach der Erklärung des babylonischen Talmud, weil dessen Lehrer sie zuweilen missverstanden hätten, sondern selbständig und frei aufgefasst werden dürfe, das Gesetz aber, dass die Talmudweisen gefolgert, unter allen Umständen Geltung behalte. ״Anders denken, selbständig in der Wissenschaft forschen, ist jedem gestattet, geboten. In religiösen Dingen aber anders zu handeln, das zu bestimmen, ist ganz Israel das Tribunal, und was im Volksleben die Form einer zu erhaltenden Satzung angenommen hat, das ist historisch verbrieft, das ist heiiig; da muss man sich wohl überlegen, bevor man die Hand anlegt“. Eine treffliche und beherzigenswerte Mahnung, aber sie ist, wenn man die un־ bedingte Freiheit der Forschung so nachdrücklich betont und fordert, nicht stark genug, um einen Damm gegen deren Konsequenzen auf dem Gebiet der religiösen Praxis zu bilden. Und was Israel als Tribunal angeht, so hat die Reform doch zur Genüge bewiesen, wie leicht dessen Urteil zu beeinflussen und in die Irre zu führen ist. Damals unter der Einwirkung des Kampfes, der die Gemüter bis in die Grundtiefen aufgewühlt hatte, befestigte sich